Der deutsche Künstler und Produktdesigner verbindet Haltung, Ästhetik und Herkunft zu einer visuellen Sprache, die ebenso reduziert wie charakterstark ist. Unter anderem hat er Kaffeeverpackungen in Interlaken ein Gesicht gegeben. Ein Gespräch über Umwege, «König Koffein» und Hunde.
Anzeiger Interlaken: Wollten Sie eigentlich in den Süden – und haben dann in Interlaken einfach den Anschlusszug verpasst? Max Duchardt: In Deutschland lebend, kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Schweizer Zug den Anschluss nicht schaffen sollte (lacht). Von daher war tatsächlich die Liebe zu C+Coffee in Interlaken ausschlaggebend. Und natürlich die wirklich fantastische Möglichkeit, an solch einem herrlichem Platz einen neuen Ort kreieren zu dürfen.
Ernsthaft, was tun Sie hier in Interlaken? Ich arbeite als freiberuflicher Markendesigner –überall in Zentraleuropa. In Interlaken habe ich unter anderem für die Kaffeerösterei C+ das visuelle Erscheinungsbild mitentwickelt, von Verpackungen bis hin zur Gestaltung rund um den Flagship-Store am Marktplatz. Daneben betreue ich weitere Projekte im Bereich Marken- und Verpackungsdesign, oft mit starkem Bezug zu Ort und Person hinter den Marken.
Wie viel persönliche Haltung darf oder muss in einem kommerziellen Design stecken? Für mich stellt es einen klaren Mix aus meiner Design-Stilistik und den Ideen und Wünschen meiner auftraggebenden Person dar. Ich werde beauftragt, weil mein Designstil gefällt. Ich möchte aber gemeinsam den Designprozess durchlaufen, da es ja nicht mir die nächsten fünf bis zwanzig Jahre gefallen muss, sondern meiner Kundschaft. Klar gebe ich stets meine Empfehlung ab, bei eventuellen Stil-Entgleisungen (lacht).
Der Kanton Bern ist nicht Berlin, funktioniert Design unterschiedlich? Design funktioniert für mich extrem unterschiedlich. Es gibt gewisse Codes in gewissen Sektionen. Gerade die Kaffee-Szene ist komplex und hat verschiedene Epochen, von «Classy Italian» bis «Contemporary Copenhagen Style». Und gerade in Letzterem existiert eine dezidierte Designsprache, entgegen jedem Marketing-Grundkurs, was ich sehr liebe und schätze (lacht). Doch muss ich hier die Schweiz speziell erwähnen, da sie auf jeden Fall ein prägendes Land für die europäische Designgeschichte ist! Sonst wäre Berlin jetzt nicht da, wo es jetzt ist.
«König Koffein» ist eine eigene Marke von Ihnen, wie kam es dazu? Ach, das freut mich jetzt sehr, dass es sogar «König Koffein» in dieses Interview geschafft hat! Die Geschichte dazu kurz und knapp: Ein ehemaliger Kaffee-Kollege, also ein sehr guter Freund und ich haben bereits gemeinsam in dem Bereich «Event Kaffee Catering» gearbeitet. Wir kannten die Probleme und die wirtschaftlichen Zahlen. Alles sehr gleich und etwas langweilig. Also dachten wir uns, lass uns «Coffee Catering mit Swag*» anbieten. Extrem zuverlässig und super einfach vor Ort muss es für unsere Kundschaft sein. Gesagt, getan, das war schon wirklich herrlich, meine komplett eigene Marke kreieren zu dürfen, und das mit dem vollen Vertrauen meines Geschäftspartners Mathias Steigerwald.
Was hat es mit Hunden auf sich? Danke für diese Frage, ich wollte schon immer etwas dazu in einem Interview zum Besten geben (lacht). Die Sage des Königs Koffeins besagt: «Der König will sich bedeckt halten vor dem Kaffee-Volke, also entsandte er seine royalen Stellvertreter – die Hunde – in seine entkoffeinierten Gebiete, um den Leuten feinste Bohnen zu brühen …» Also ehrlich, es war unser Humor. Anstatt seelenlose Stockfotos mit Baristas in Lederschürzen und Schnurrbart zu zeigen, so wie alle anderen eben auch, dachten wir uns – zu derzeit war süsser Cat-Content grad der Renner –, entschieden wir uns für Hunde, weil die auch knuffig sind (lacht). Am Anfang hats keiner gemerkt, mittlerweile lieben alle die Königs-Hunde!
Zu guter Letzt: Was machen Sie, wenn Sie gerade nicht Design entwerfen? Vermutlich bin ich gerade irgendwo unterwegs, um meinem sozialen Drang nachzugehen, meine ganzen Freunde zu treffen. Viel essen zu gehen und noch mehr zu kochen – in der Küche zu sein ist für mich die ultimative kreative Freiheit. Und ja klar, in dieser stehen auch alle möglichen Arten von Kaffee-Zubereitern rum! Ein letzter Ausruf an meine Inspiration der ersten Designstunden und zugleich liebster Schweizer Designer: Max Bill, Schweizer Architekt und Künstler, der in Berlin lebte, Swiss Design at it’s finest! »
* Swag, engl. abgeleitet von to swagger, auf Deutsch: prahlen, stolzieren
www.maxduchardt.com
Zur Person: Max Duchardt ist ein in Deutschland geborener Brand-Designer. Nach einer Ausbildung im Grafikdesign und einem Studium im Bereich Design und Produktmanagement arbeitete er zunächst in Start-ups, bevor er sich selbstständig machte. Heute entwickelt er Marken, Verpackungen und visuelle Konzepte für nationale wie internationale Kunden. In Interlaken gestaltete er unter anderem das visuelle Erscheinungsbild der Kaffeerösterei C+ inklusive Verpackungsdesign und Auftritt des Flagship-Stores. Seine Arbeiten sind geprägt von Reduktion, Klarheit und einem feinen Gespür für Charakter.
26. Februar 2026