Seit 15 Jahren gehört Brigitte Boss zum Landschaftstheater Ballenberg. Die in Brienz wohnhafte, in Heiligenschwendi aufgewachsene Mutter von drei Kindern spielt seit 2011 fast jede Saison. Beruflich leitet sie eine Demenz-Wohngruppe und arbeitet als Wärterin im Wildpark Brienz.
Anzeiger Interlaken: Seit wann sind Sie Teil des Landschaftstheaters Ballenberg – was reizte Sie daran? Brigitte Boss: Ich bin seit 2011 dabei. Das erste Mal bei den Requisiten. Ab 2012 spielte ich selber mit, als Magd und noble Dame in «Dr Pfarrer u dr Kapitän». Seither immer, bis auf zwei Saisons. Heuer wirke ich im Hintergrund bei den Helfenden mit. Theater hat mich immer fasziniert. Es ist wie ein Virus, ein Fieber. In andere Personen hineinzuschlüpfen, macht es spannend.
Welche Aufgaben übernehmen Sie neben der Bühne? Während der Aufführungen helfe ich bei den Requisiten, Kostümwechseln, bei den Tieren und beim Aufräumen. Zudem bin ich als Laienvertreterin im Vorstand das Bindeglied zwischen Spielenden und Produktionsleitung. Dazu organisiert man Anlässe, manchmal nach den Proben einen gemeinsamen Restaurantbesuch oder im Herbst das Rückblick-Treffen. Im Januar organisieren wir jeweils den Mitwirkenden-Anlass. Da sind vom Billettkontrolleur bis zum Samariter alle eingeladen.
Das Mitwirken verlangt viel Einsatz. Was motiviert Sie, Teil dieser Produktion zu sein? Man muss wissen, dass ein halbes Jahr verbucht ist. Je nach Rolle sind die Proben intensiver. Ab Juni sind praktisch keine Absenzen mehr möglich. Irgendwann ersehnt man dann das Publikum.
Die Produktionen leben stark von Gemeinschaft. Was macht den Zusammenhalt für Sie aus? Sehr viel. Es gibt einen harten Kern. Jedes Jahr kommen neue Leute dazu, andere machen mal Pause und kehren später zurück. So entstehen über die Jahre viele Bekanntschaften und auch Freundschaften. Das ganze Jahr lache ich nicht so viel wie am Ballenberg beim Spielen und Proben. Man ist lange zusammen unterwegs. Fast wie eine Familie. Zum Saisonende gibt es immer ein lachendes und ein weinendes Auge.
Hat sich Ihr Auftreten auf der Bühne im Laufe der Zeit verändert? Man wird selbstsicherer und erfahrener. Aber jede Rolle ist anders. Ich taste mich heran und muss mich mit der Rolle identifizieren können. Ich lerne sehr leicht auswendig. In den letzten acht Jahren machte ich auch Bühnentheater. Ich hatte nie eine Rolle, die mir nicht gefiel.
Wie erleben Sie das Zusammenspiel zwischen Laien und Profis? Sehr angenehm. Die Profis müssen genau gleich proben wie wir und sich an die Vorstellungen des Regisseurs halten. Mit der Zeit werden Profis und Laien ein Team. Das ist faszinierend. Die beiden Herren von heuer sind auch sehr angenehm und haben Freude daran.
Gibt es ein Thema in «Akte Zybach», das Sie besonders beschäftigt? Mich beeindruckt vor allem dieser Hochmut, der zu einem solchen «Bschiss» führt. Das ist schon auch auf die heutige Zeit anlehnbar. Und wenn man weiss, wie Zybach damals verbannt wurde und unter welchen Bedingungen er lebte – das gibt zu denken. Sein ganzes Leben war verpfuscht.
Wie erleben Sie die Stimmung kurz vor Beginn einer Vorstellung? Wenn die Tribüne steht, merkt man: Jetzt naht es. Vorher wird eingesungen und aufgewärmt. Alle zeigen sich noch einmal, dann geht man auf Position und es wird still. Nervosität gehört dazu. Souffleure gibt es keine, man ist auf Stichworte angewiesen. Das verlangt Disziplin. Im Verlauf der Saison wächst auch die Sicherheit beim Spielen.
Zum Stück «Akte Zybach» – Mitte des 19. Jahrhunderts macht Peter Zybach das Grimsel-Hospiz zur ersten Adresse für Reisende über den Pass ins Wallis. Doch der Erfolg hat seinen Preis. Neid, verletzte Eitelkeiten und Zybachs immer grösser werdende Gewinnsucht treiben ihn Stück für Stück dem Abgrund entgegen, bis er zu einer verhängnisvollen Entscheidung gezwungen wird, die als erster grosser Versicherungsbetrug in die Schweizer Geschichte eingeht.
www.landschaftstheater-ballenberg.ch25. Juni 2026