Bild: Fritz Lehmann

Interview mit Hanspeter  Kaufmann

Kultur – Seit zwei Jahrzehnten bringt die Just Smile Comedy Night grenzenlosen Humor nach Grindelwald. Initiant Hanspeter Kaufmann blickt zurück auf eine Erfolgsgeschichte, die aus Leidenschaft entstand – und erklärt, warum sie just mit einem Jubiläum endet.

Anzeiger Interlaken: Zwei Jahrzehnte Just Smile Comedy Night Grindelwald – wie hat alles begonnen? Hanspeter Kaufmann: Eher zufällig, da ich schon immer ein Comedy-Fan war – über Emil, Kliby und Caroline oder Otto bis hin zu den TV-Formaten wie «RTL Samstag-Nacht» oder «Die Wochenshow», reifte nach dem Besuch einer Comedy-Veranstaltung im Emmental die Idee, so etwas auch nach Grindelwald zu bringen. 2006 fiel dann der Startschuss.

Zufällig klingt harmlos. Aber der Anfang war wohl ziemlich handfest? Ja, das war er. Am Anfang war vieles improvisiert. Ich habe Plakate, Flyer und Eintrittstickets selber gemacht, ausgedruckt und verteilt, Verhandlungen geführt und Künstler betreut. Natürlich hatte ich am Anlasstag familieninterne und kollegiale Unterstützung. Aber eigentlich ist es nach wie vor mehr oder weniger eine echte One-Man-Show.
Also eher Herzblut als Geschäftsmodell? Definitiv. Es war immer mehr Leidenschaft als Geschäft. Ohne Sponsoren wäre vieles gar nicht möglich gewesen. Und die Stunden, die man investiert hat, durfte man sowieso nicht rechnen.

Und dann? Wann wurde aus der Idee eine richtige Veranstaltungsreihe? Mit der Zeit wurde alles professioneller. Es kamen eine eigene Website dazu, Kontakte zu Agenturen und ein Netzwerk von Künstlern. Daraus sind teilweise sogar Freundschaften entstanden. Auch das Format hat sich verändert – vom Mix-Abend mit mehreren Acts im Kongresssaal hin zu Solo-Programmen im Griwa Congress Center und dem Comedy Open-Air auf dem Eiger+ Nordwandplatz.

Welche Künstler sind Ihnen besonders geblieben? Da gibt es einige, eigentlich fast alle. Michel Gammenthaler, Claudio Zuccolini, Michael ­Elsener, Bänz Friedli oder Rob Spence standen auf der Bühne. Einige sogar mehrmals. ­Besonders schön ist, dass Hazel Brugger hier aufgetreten ist, bevor sie in Deutschland so bekannt wurde. Und Stéphanie Berger hatte hier ihren allerersten Stand-up-Auftritt.
Gab es auch Abende, bei denen Sie gedacht haben: Genau dafür mache ich das? Ja, definitiv. Das Comedy Open Air auf dem Eiger+ Nordwandplatz war immer speziell. Und unvergessen bleibt die Corona-Zeit mit Auftritten der Appenzeller Combo auf der Pfingstegg und mit dem Duo Oropax im Freibad Hellbach. Das waren ganz besondere Abende. Und natürlich auch, wenn die Besucher nach der Show mit einem zufriedenen Lächeln nach Hause gingen.

Trotzdem ist jetzt Schluss. Warum gerade im Jubiläumsjahr? Weil sich vieles verändert hat. Die Konkurrenz in der Region ist grösser geworden, das Angebot riesig, und vieles wird vom Publikum heute sehr kurzfristig entschieden.

Und weiter? Dazu kommt, dass sich auch der Tourismus stark gewandelt hat. Viele Gäste sind inzwischen ausschliesslich englischsprachig. Gleichzeitig ist es nie wirklich gelungen, die einheimische Bevölkerung dauerhaft zu begeistern – ausser einigen wenigen treuen Stammgästen.

Heisst das: Ein gutes Programm allein reicht nicht mehr? Genau. Heute ist es oft ein richtiger Kampf, überhaupt noch genügend Publikum zusammenzubringen. Es ist kein Selbstläufer mehr.

Hat Sie das enttäuscht? Manchmal schon. Natürlich wünscht man sich über die Jahre mehr Rückhalt. Aber ich schaue nicht bitter zurück. Es war eine schöne, intensive Zeit.

Dann soll die letzte Ausgabe also kein Ab­gesang werden? Nein, überhaupt nicht. Die Jubiläumsausgabe im Mai soll nochmals ein schöner, würdiger Abschluss werden. Mit Martin O., Bänz Friedli, den «Missen impossible» und dem Duo «mir zwe», das schon ganz am Anfang mit dabei war, steht nochmals ein starkes und vielseitiges Programm auf der Bühne. So schliesst sich am Ende auch ein schöner Kreis.

Was wünschst Sie sich für diesen letzten Abend? Vor allem gute Stimmung – und dass viele kommen, die die Veranstaltung über Jahre begleitet haben: Stammgäste, Helfer, Sponsoren und Wegbegleiter. Und vielleicht auch die, die noch nie da waren. Einfach ein schöner Abschluss.

Und wie geht es für Sie persönlich weiter? Ganz loslassen werden Sie das Organisieren kaum. Nein, ganz aufhören werde ich wohl nicht. Ich möchte mich eher kleineren, persönlicheren Projekten widmen – vielleicht einem Talk-Format im kleinen Rahmen. Etwas Frisches, näher bei den Leuten und etwas überschaubarer als ein grosser Anlass.

Also kein Schlussstrich, eher ein Neuanfang? Genau. Die Lust, etwas zu organisieren, ist noch da. Vielleicht einfach in einer anderen Form.

www.just-smile-grindelwald.ch

Zur Person: Hanspeter Kaufmann ist in Grindelwald aufgewachsen und verwurzelt. Er arbeitet heute als Buschauffeur und bei der Post. Wenn er nicht gerade arbeitet oder an der Planung eines Events ist, erkundet er mit dem E-Bike die Schweiz, spielt gerne Badminton oder geniesst einfach irgendwo die Ruhe. Die Just Smile Comedy Night führte er über zwei Jahrzehnte mit viel Eigeninitiative und grossem persönlichem Einsatz. Auch nach dem Ende der Reihe möchte Kaufmann kulturell aktiv bleiben und kleinere, persönlichere Formate entwickeln.
07. Mai 2026

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