Die Musik gehört zum Anker wie die Luft zum Atmen – im Bild Dimi Rogers. (Bild: Barbara Marty)
Im Goldenen Anker in Interlaken beginnt die dritte Konzertsaison unter der heutigen Leitung. Betreiber Thomas Dübendorfer erzählt von legendären Auftritten, unberechenbaren Konzertabenden und seinen Plänen für das traditionsreiche Lokal.
Als Phantoms of Future vor rund zwanzig Jahren erstmals im Goldenen Anker auftraten, verliess nach den ersten beiden Stücken die Hälfte des Publikums den Saal. Die übrigen Gäste erlebten ein Konzert, von dem sie später so begeistert erzählten, dass die frühzeitig Gegangenen ihren Aufbruch bereuten. Beim nächsten Gastspiel blieben alle bis zum Schluss aus. Angefangen hatte es mit einem provokativen CD-Cover, das Sänger Sir Hannes dem damaligen Anker-Wirt René Sutter geschickt hatte. Der wurde neugierig und engagierte die Band. Daraus entstand eine langjährige Verbindung. Am 31. Oktober kehren Phantoms of Future nach Interlaken zurück, mit Stone Hail als einheimischer Vorband. Auch René Sutter will dabei sein.
Konzerte mit ÜberraschungenFür Thomas und Regula Dübendorfer ist es die dritte Konzertsaison seit der Übernahme. Bis zum Frühling sind sechs Auftritte angekündigt. «Es ist ein Ausprobieren», sagt Thomas Dübendorfer. So zogen Crazy Mofos mit ihrem Tribute for Hanery an zwei Abenden je rund 250 Gäste an. Andere Konzerte fanden weniger Anklang. Welche Bands das Publikum begeistern, lasse sich kaum vorhersagen. Auch Gagen, Besetzung und der persönliche Geschmack spielen bei der Auswahl eine Rolle. Zunächst konzentrierte sich die neue Crew auf Küche und Service. Nach Anpassungen am gastronomischen Konzept seien die Rückmeldungen sehr gut. Nun soll auch die Musik wieder mehr Gewicht erhalten. Dabei möchte Dübendorfer nicht ausschliesslich auf Bewährtes setzen. Am 14. November spielt die Anker-Band aus Basel, deren Name auf die legendären Rumpelstilz-Auftritte im Goldenen Anker zurückgeht. Die Musiker besuchten vor einem Jahr selbst ein Konzert im Lokal und fragten danach für einen eigenen Auftritt an. Bis zum Frühling stehen weitere Konzerte auf dem Programm, von Mundart- und Poprock über Amy-Winehouse-Covers bis zu den Hits der 80er-Jahre. Dübendorfers Wunschbild eines Konzertabends beginnt mit einem Apéro und einem Nachtessen. Dann wird das Licht gedimmt, die Live-Musik setzt ein, später wird getanzt. Gegen halb zwei Uhr gehen die Lichter wieder an. Wer von weiter her kommt, könnte im Hotel übernachten und den nächsten Morgen mit Frühstück, Sauna und einem Spaziergang auf dem Bödeli verbringen.
Und wer weiss, was eines Abends geschieht? Vielleicht geht die schwere Ankertür auf, und jemand betritt die Bühne, den noch niemand kennt. Aus einem unscheinbaren Hinweis auf ein Konzert wird ein Abend, über den man noch lange spricht. Oder eine zufällige Begegnung führt zum nächsten Auftritt. Die Bühne ist bereit, das Licht gedimmt. Was in dieser Saison im Anker zu hören und zu erleben ist, steht im Programm. Und was darüber hinaus geschieht, wird sich zeigen.
www.anker.ch29. Oktober 2026