Der ehemalige deutsche Spitzencurler Sebastian Stock (48) war von 2020 bis 2023 und ist wieder seit Anfang 2026 Geschäftsführer des Sportzentrums Grindelwald. Im Interview äussert er sich zum Modernisierungskonzept «Vision 2035».
Anzeiger Interlaken: 2002 wurden Sie in Grindelwald Curling-Europameister, heute führen Sie als Geschäftsführer die Geschicke des Sportzentrums. Wie kam das? Sebastian Stock: Grindelwald lernte ich schon während meiner Juniorenzeit als Curler kennen. Die «Bull Trophy» war damals eines der wichtigsten Turniere in Europa. Vom Organisationskomitee und auch vom damaligen Leiter des Sportzentrums, Toni Baumann, wurden wir immer sehr warm empfangen. Zu jener Zeit, als ich 2002 hier Europameister wurde, studierte ich Politik und Management. Mir war klar, dass ich mal im Sport arbeiten möchte, und der Job eines Sportzentrumsleiters reizte mich schon damals, auch wenn der Ort Grindelwald für mich damals noch nicht im Vordergrund war. Das ergab sich erst viele Jahre später durch eine glückliche Fügung.
Nämlich? Im Herbst 2020 bezogen meine Frau und ich ein Eigenheim in Bönigen. In unserer ersten Woche am neuen Wohnort las ich im ANZEIGER INTERLAKEN das Job-Inserat für einen neuen Leiter Sportzentrum Grindelwald. Ich zeigte dies meiner Frau und sagte, dass ich wohl den Job wechseln müsse (lacht). Natürlich musste ich mich erst bewerben. Mit meinen sieben Jahren Erfahrung in der Unternehmensberatung, in denen ich oft mit der Optimierung von Wasser- und Eissportanlagen zu tun hatte, war mein Rucksack gut gefüllt. Nach einem gut zweijährigen Intermezzo als Trainer bei Swiss Curling kehrte ich Anfang 2026 zum Sportzentrum Grindelwald zurück.
In einem Interview sagten Sie mal, das Sportzentrum Grindelwald sei ein «sehr komplexer Betrieb». Wie meinten Sie das? Neben den verschiedenen Sport- und Freizeitangeboten, die wir hier anbieten, war auch die Organisation gemeint. Das Sportzentrum war damals noch vollständig in die Unternehmensstruktur von Grindelwald Tourismus integriert. Der Tourismusdirektor war damals auch Sportzentrumsleiter in Personalunion. Wenn er bei der Hauptversammlung eine schwarze Null präsentierte, dachten alle, das Sportzentrum sei rentabel. Tatsache ist jedoch, dass Grindelwald Tourismus das Sportzentrum über Jahre hinweg mit hohen Beiträgen quersubventionierte – was auch weiterhin geschieht.
Lässt sich ein Sportzentrum wie dasjenige in Grindelwald rentabel führen? In einer Anlage, die Wasser- und Eissport anbietet, lässt sich kein Geld verdienen. Die Energiekosten im Sportzentrum Grindelwald bewegen sich jährlich im höheren sechsstelligen Bereich. Hinzu kommen die Investitionen von rund 20 Millionen Franken, die das Sportzentrum in den letzten 50 Jahren laufend investiert hat. Im kommenden Sommer werden die Eisbahnen auf ein mobiles, demontierbares System mit Kältematten umgestellt, das auf Glykolbasis arbeitet und die bisherigen Ammoniakleitungen in den Beton-Kälteplatten ersetzt. Auch die Curlinghalle wird mit dem neuen System ausgerüstet. Damit bleibt der Betrieb der Eissportanlagen in den nächsten Jahren gesichert.
Wie werden diese Kosten gedeckt? Wir sind auf Gelder der öffentlichen Hand angewiesen. Die Gemeindeversammlung bewilligte im Oktober 2025 einen ausserordentlichen Beitrag für die Jahre 2025 und 2026, womit das aktuelle Angebot gesichert wurde. Ab 2027 ist die Finanzierung noch offen. Vertraglich zugesichert sind Beiträge von Grindelwald Tourismus, im Gemeinderat wird derzeit das weitere Vorgehen besprochen.
Das Finanzierungskonzept ist auch Teil der «Vision 2035», die die umfassende Modernisierung und Erneuerung des Sportzentrums Grindelwald bis im Jahr 2035 vorsieht. Die Vision datiert aus dem Jahr 2022. Befindet man sich im Zeitplan? Erste wichtige Grundlagen wurden geschaffen, darunter die Bereinigung der Eigentümerstruktur sowie eine erste Machbarkeitsstudie. Im kommenden Juni gibt es im Sportzentrum eine öffentliche Ausstellung, die sich an Vereine, Gäste und die Bevölkerung richtet. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und die Entwicklung des Sportzentrums nachvollziehbar darzustellen. Beispielsweise dürfte ein Einblick in unsere Kältezentrale, die zum Teil noch aus den 70er-Jahren stammt, für die Bevölkerung spannend sein.
www.sportzentrum-grindelwald.ch16. April 2026