An diesem Samstagmorgen stehen die Menschen bereits vor acht Uhr am Gitter des alten Zeughausareals. Kaum öffnen sich die Tore, setzt ein regelrechter Ansturm ein. Dann wird gestöbert, verglichen und entdeckt. Zwischen Möbeln, Spielwaren, Büchern oder Sportgeräten findet sich vielleicht genau das, wonach man schon lange gesucht hat. Wer eine Pause braucht, stärkt sich mit einem Chäsbrätel des Haaraffen-Clubs, der die Aktion seit Jahren unterstützt. Was heute fest im Bödeli-Kalender verankert ist, begann 2004 in Interlaken. Vier Jahre später kamen Matten und Unterseen dazu, seit 2022 auch Bönigen und Ringgenberg. Austragungsort ist seit 2014 das alte Zeughausareal. «Es braucht viel Platz und vor allem wettergeschützten Raum», sagt Andreas Michel, Werkhofchef und Leiter Infrastruktur der Einwohnergemeinde Interlaken. Bevor am Samstag geholt wird, laufen am Freitag die Vorbereitungen auf Hochtouren. Insgesamt 28 Personen nehmen die Waren entgegen, sortieren sie und verteilen sie auf acht Sektoren: Möbel, Gartenmöbel, Küche und Geschirr, Haushalt, Elektrogeräte, Spielwaren sowie Fitness- und Sportgeräte. Neben den Werkhofmitarbeitenden helfen Pensionierte aus der Region tatkräftig mit. Für viele Beteiligte gehört die zweijährliche Aktion zu den Höhepunkten des Jahres.
Trouvaillen und Treffer
Andreas Michel begleitet die Bring- und Holtage fast von Anfang an. «Seit ich diese Form von Kreislauf-Aktion kenne, spreche ich nie mehr leichtfertig von Kehricht», sagt er. Rund 80 Prozent der abgegebenen Gegenstände wechseln lediglich die Hand. Nur etwa 20 Prozent müssen am Ende tatsächlich entsorgt werden. «Wir machen Kreislaufwirtschaft sichtbar.» Die Geschichten dazu sind zahlreich. Einmal gab es sogar nigelnagelneue Harley-Davidson-Töffkombis, die innert kürzester Zeit geholt wurden. Ein anderes Mal fand ein Besucher nach stundenlangem Stöbern eine original signierte Beatles-LP. Und sogar das Velo eines Mitarbeiters verschwand, weil es zur falschen Zeit am falschen Ort stand. «Alles, was nicht hieb- und stichfest ist, wird geholt», sagt Michel schmunzelnd. Selbst die Feuerlöscher auf dem Areal müssten sie während dieser Zeit vorsorglich in Sicherheit bringen. Bücher sind zwar beliebt, dennoch bleiben sie am ehesten übrig. Pro Aktion müssen im Schnitt rund acht Kubikmeter Lektüre entsorgt werden.
Wenn sich das Zeughausareal am Samstagnachmittag leert, haben die meisten Gegenstände bereits eine neue Verwendung gefunden. Für Andreas Michel ist das die eigentliche Stärke
der Aktion: Vieles landet nicht im Kehricht, sondern dort, wo es nochmals gebraucht wird – oder wo jemand schon lange danach gesucht hat.
Bring- und Holtage:
Freitag, 5. Juni, 10.00 – 20.00 Uhr;
Samstag, 6. Juni, 8.00 – 16.00 Uhr,
Zeughausareal Rothornstrasse, Interlaken
… davon profitieren nicht nur Vereine aller Art, sondern auch Kulturschaffende und Sportbegeisterte aus dem Verwaltungskreis Interlaken-Oberhasli.
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