Schon während des Studiums hatten Rebecca und Yvonne Pfister die Idee einer eigenen Kanzlei. Nun wird daraus Wirklichkeit: Seit dem 1. September führen die beiden Schwestern die traditionsreiche Kanzlei Glatthard Advokatur und Notariat mit Geschäftsstellen in Interlaken und Brienz gemeinsam weiter.
Anzeiger Interlaken: Seit dem 1. September tragen Sie gemeinsam die Verantwortung für die Kanzlei. Was ist nun anders als vorher? Rebecca Pfister: Da wir bereits seit einiger Zeit in die Geschäftsführung eingebunden waren, ändert sich für uns im Alltag nicht viel. Gleichzeitig fühlt es sich anders an, gemeinsam die Verantwortung für die Zukunft der Kanzlei und der Mitarbeitenden zu tragen.
Sie sind Schwestern und nun auch Geschäftspartnerinnen. War dies für Sie schon lange vorstellbar? Yvonne Pfister: Wir haben bereits während unseres Studiums gesagt, dass wir eines Tages eine Kanzlei mit dem Namen Pfister & Pfister gründen möchten. Damals war das noch wahnsinnig weit weg. Dass wir das nun tatsächlich realisieren dürfen, macht auch etwas stolz.
Was hat Sie motiviert – weshalb gerade jetzt? Beide: Mit dem Rückzug von Adrian Glatthard aus dem aktiven Tagesgeschäft erhielten wir die Möglichkeit, eine etablierte und in der Region verankerte Kanzlei weiterzuführen. Wir sind im Berner Oberland aufgewachsen und waren uns früh einig, unsere berufliche Zukunft hier gestalten zu wollen. Zudem durften wir beide in dieser Kanzlei unser juristisches Handwerk erlernen.
Wo ergänzen Sie sich besonders gut – und wo sind Sie als Persönlichkeiten unterschiedlich? Rebecca: Unsere Stärke liegt darin, dass wir uns in der Ausrichtung der Kanzlei und den Werten, die wir vermitteln wollen, einig sind. Yvonne: Trotzdem sind wir unterschiedliche Persönlichkeiten. Rebecca ist eher umsichtig, mag keinen Streit und sorgt zwischendurch für lustige Situationen. Ich hingegen bin eher direkt, anpackend und meinungsstark. Je nachdem, was eine Situation erfordert, ist einmal die eine und einmal die andere besser geeignet.
Wo profitieren Sie im Geschäftsalltag von dieser Kombination? Rebecca: Wir beschäftigen uns mit unterschiedlichen Rechtsgebieten – ich als Notarin, Yvonne als Rechtsanwältin. Oft schauen wir ein Thema gemeinsam an und erhalten dadurch einen anderen Blickwinkel auf einen Fall.
Yvonne: Dadurch wird auch die juristische Arbeit qualitativ besser. Ich merke immer wieder die Vorteile gegenüber Kanzleien, die über kein Notariat verfügen.
Eine Kanzlei zu führen, bedeutet auch, Unternehmerinnen zu sein. Was ist daran die grösste Umstellung? Rebecca: Dass man nicht mehr nur für die eigene juristische Arbeit Verantwortung trägt, sondern für die Kanzlei als Ganzes und die Mitarbeitenden.
Yvonne: Hinzu kommen administrative und organisatorische Aufgaben, etwa in den Bereichen Finanzen oder Personal.
Was passiert, wenn zwei Schwestern in einer geschäftlichen Frage unterschiedlicher Meinung sind? Rebecca: Wir kennen einander unser ganzes Leben lang, sind im selben Haushalt aufgewachsen und haben dieselben Werte mitbekommen. Aufgrund dieses gemeinsamen Weges kennen wir uns wohl besser, als es Aussenstehende je könnten.
Yvonne: Wir respektieren -unsere jeweiligen Fachbereiche. Geht es um Entscheidungen von grösserer Tragweite, müssen beide einverstanden sein. Faule Kompromisse führen selten zu langfristig guten Lösungen.
Was dürfen die bisherigen Klientinnen und Klienten von Ihnen erwarten? Beide: Weiterhin eine persönliche, kompetente und verlässliche Beratung. Vertrauen, Qualität und Nähe zu den Menschen bleiben zentral. Wir wollen Bewährtes erhalten und dort weiterentwickeln, wo es einen echten Mehrwert schafft.
Ihre Kanzlei in drei Begriffen? Beide: Bodenständig, lösungsorientiert, verankert.
Worauf freuen Sie sich besonders? Beide: Eine Kanzlei mit rund 140-jähriger Geschichte weiterführen zu dürfen, erfüllt uns mit Freude, Dankbarkeit und Respekt. Besonders freuen wir uns darauf, gemeinsam mit unserem Team die Zukunft der Kanzlei mitzugestalten.
www.beorecht.ch10. September 2026