Mendelssohns Skizze von 1842 gilt als älteste historische Darstellung Wengens. (Bild: zvg)
Kultur

Der ewige Rückkehrer – verzaubert von der Gegend

Als Felix Mendelssohn Bartholdy 1842 nach Wengen kam, war das Berner Oberland noch kaum erschlossen. Die Region kannte er da längst. Besonders die Jungfrau faszinierte ihn. Bis heute erinnert die Mendelssohn Musikwoche an seine enge Verbindung zur Gegend.

Es gibt Reisen, die lassen einen nicht mehr los. Felix Mendelssohn Bartholdy ging es mit dem Berner Oberland so. Schon als Jugendlicher lernte er die Gegend kennen. Später zog es ihn immer wieder hierher. Seine Verbundenheit mit der Region zeigt sich auch in seinen Briefen. Aus Interlaken schrieb er seiner Mutter und erinnerte sich an frühere Aufenthalte. Drei Tage später wanderte er durch das Lauterbrunnental nach Wengen. Oberhalb des Dorfes setzte sich der 33-Jährige hin und zeichnete Wengen mit dem Jungfraumassiv. Die Skizze gilt heute als älteste historische Darstellung des Ortes. Wengen war damals nur über Wege zu erreichen. Die Wengernalpbahn wurde erst Jahrzehnte später gebaut. Mendelssohn zeichnete auf seinen Streifzügen fast täglich. Die Berge hatten für ihn auch nach Jahren nichts von ihrer Wirkung verloren. In seinem Brief aus Interlaken beschreibt er, wie vertraut ihm manches vorkam und wie sehr sich zugleich sein eigener Blick verändert hatte. Diese Verbindung lebt in der Mendelssohn Musikwoche weiter. Sie findet in diesem Jahr zum 22. Mal, vom 15. bis 22. August statt. Künstlerisch geleitet wird sie seit 2014 von ­Beatrix Jerie. Wengen kennt sie allerdings schon länger. Seit ihrer Kindheit verbrachte ihre Familie hier regelmässig Winterferien; später heiratete sie in der reformierten Kirche im Ort.

Die Eleganz der Romantik
Vor mehr als 40 Jahren gründete Beatrix Jerie in Basel die Reihe «Kammermusik um halb acht» und knüpfte über die Jahre zahlreiche Kontakte zu internationalen Musikerinnen und Musikern. Die ausgebildete Violinistin studierte zunächst in Basel und anschliessend in Prag, wo sie das Solistendiplom erlangte und insgesamt 14 Jahre lebte. An der Aufgabe in Wengen reizte sie vor allem eines: den bekannten Sportort stärker als Kulturort ins Bewusstsein zu rücken. An Mendelssohn faszinieren sie die Leichtigkeit, die melodische Schönheit und die Klarheit seiner Musik. Sein Violinkonzert und das d-Moll-Klaviertrio begleiten sie seit ihrer Studienzeit. «Seine Musik verbindet in kongenialer Weise die Eleganz und formale Klarheit der Wiener Klassik mit der Ausdruckskraft der Romantik.»

Mendelssohns Spuren in Wengen
Klangfarben und Emotionen prägen die diesjährige Musikwoche. Sechs Konzerte sind angesetzt. Jerie ist wichtig, dass dabei nicht allein technische Virtuosität zählt. Ihr Wunsch: Die Besucherinnen und Besucher sollen «beglückt und beschenkt nach Hause gehen».
Für zugänglichere Klänge sorgt das Cello-Republic-Ensemble. Das Quartett schlägt an diesem Abend einen weiten Bogen: von Rossini und Dvorˇák über Piazzolla und Freddie Mercury bis zu Andrew Lloyd Webbers «Phantom of the Opera». Vier Cellisten zeigen während einer Stunde, was sich ihrem In­strument alles entlocken lässt. Damit möchte Jerie auch Menschen neugierig machen, die mit klassischer Musik bisher wenig Berührung hatten, und mögliche Hemmschwellen abbauen. Mendelssohn ist in Wengen aber nicht nur während dieser Tage präsent. Die Gedenkstätte steht heute dort, wo er vor 184 Jahren seine Skizze anfertigte. Der Wanderweg Richtung Wengern­alp trägt seinen Namen. Ausserdem gibt es einen Themenweg mit sechs Infotafeln. An dessen Realisierung war der Verein Freunde der Mendelssohn Musikwoche beteiligt. Beatrix Jerie freut sich auf bekannte und neue Gesichter im Publikum – und darauf, Mendelssohns Musik in der hervorragenden Akustik der reformierten Kirche zu hören, umgeben von jener Bergwelt, die schon den Komponisten begeisterte.

www.mendelssohn.ch
13. August 2026

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