Die Autorin mit Wurzeln in Wengen und ihrem kleinen Hund. (Bild: Viviane Stucki)
Kultur

1997 wird auch schon bald dreissig

«Wengen ist ein Scheisskaff mit ziemlich guter Aussicht.» Um diesen ­Widerspruch spinnt Janica Irina Madjar ihren Debütroman «Den Berg auf der Zunge».

Als ihre Mutter verreist, kehrt die Erzählerin nach Wengen zurück, um den Garten zu hüten. Dabei wollte sie das Dorf hinter sich lassen, studieren, aus dem Bergdorfkind sollte eine Stadtfrau werden. Nun ist sie wieder da, mit kleinem Hund, in einem Sommer ohne Regen. Der Himmel spannt sich wie Frischhaltefolie über das Tal. Augenmücken lassen sich nicht verjagen. Und die Gerüchteküche funktioniert wie ein «investigativer Podcast». Madjar schreibt dicht, bildhaft, rhythmisch, mit abrupten Wendungen und feinem Gespür für das absurd Reale. Ihre Figuren und deren Widersprüche bleiben glaubhaft.

Von bröckelnden Verfestigungen
Während Berge bröckeln, Gletscher schmelzen und ein Bauprojekt das Dorf erschüttert, nähert sich die Erzählerin ihrer Herkunft an. Dem Ort, der vom Verlust des Vaters geprägt ist und für den «Heimat» nicht recht passen will. Auch die Beziehung zur Mutter erhält neue Konturen. Zwischen Misstrauen, Zugehörigkeit und widerwilliger Dankbarkeit erobert sie sich ihren Platz zurück. Was einst unverrückbar schien, gerät in Bewegung. Madjar, 1997 in Wengen geboren, studierte Fine Arts in Bern und Basel sowie Kulturpublizistik in Zürich. 2026 wurde sie für das Mentoringprogramm «Frankfurter Seilschaften» von Pro Helvetia ausgewählt. Sie lebt und arbeitet in Bern. Ihr Romandebüt erschien im Limmat Verlag. Am Freitag, 4. Dezember, liest sie in der Dorfbibliothek Wengen.

www.janicairinamadjar.ch
15. Oktober 2026

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