Damit Wasser frei fliessen kann, braucht es oft körperliche Arbeit. Maschinen gelangen nicht überall hin. (Bild: zvg)
Die Schwellenkorporation Bödeli-Süd übernimmt im südlichen Bödeli zahlreiche Aufgaben im Wasserbau und Gewässerunterhalt. Die «Schwelli» leistet viel – vieles im Verborgenen. Ein Blick in die 173 Gräben erzählt davon.
Das Bödeli ist eine besondere Landschaft – eine sogenannte Schwemmebene. Alte Flurnamen wie «Moos», «In Erlen» oder «Gurben» erinnern bis heute daran, wie stark die Region seit jeher vom Wasser geprägt ist. Zwischen Thuner- und Brienzersee, flankiert von Bergen, Wildbächen und Runsen (steilen Landschaftsrinnen), treffen Wasserläufe aus unterschiedlichsten Richtungen zusammen. Was heute vielerorts ruhig und geordnet wirkt, bleibt gleichzeitig ein Gebiet mit natürlicher Dynamik und teils erheblichem Naturgefahrenpotenzial. Hier setzt die Arbeit der Schwellenkorporation Bödeli-Süd (SKBS) an. Zuständig ist die Schwelli für zahlreiche Fliessgewässer, Gräben und Schutzbauten in den Gemeinden Interlaken, Matten, Wilderswil, Bönigen, Gsteigwiler und Saxeten. Zu ihrem Gebiet gehören unter anderem kleinere Seitengewässer sowie Schutz- und Ableitungssysteme im dicht besiedelten Talboden. Die Hauptfliessgewässer der Schwellenkorporation Bödeli-Süd sind die Lütschine, der Saxetbach und Teile der Aare. Die rund 173 Gräben tragen Namen wie Schwendilouener, Houetebach, Hopferengraben oder Rotenbächlein. «Rund ein Drittel unserer Gräben führt das ganze Jahr über Wasser. Nach starken Gewittern oder während der Schneeschmelze kann sich das aber innert kürzester Zeit ändern», sagt Schwelli-Präsident Matthias Ritschard. Der gelernte Metallbauschlosser arbeitete viele Jahre international in der Schwerlast-Technik. Seit 2007 steht er der SKBS vor. Die schiere Gewalt des Wassers beeindrucke ihn bis heute. Wie gross das menschliche Dagegenhalten entlang der Lütschine ausfällt, zeige auch diese Zahl: Rund 66'000 Tonnen Steinblöcke wurden allein zwischen der neuen Gsteigwilerbrücke und dem Saxetbach zum Hochwasserschutz verbaut. «Unsere Arbeit ist dann gut gemacht, wenn das Wasser überall in seinen Bahnen abläuft und es nirgends ‹vermacht›.»
Holz, Schlamm und WetterextremeWer an einem Bach vorbeispaziert, ahnt oft kaum, wie viel Arbeit hinter einem funktionierenden Gewässersystem steckt. Kontrollgänge, Holzräumungen, freigelegte Durchlässe oder die Bekämpfung invasiver Neophyten gehören zum Alltag der Schwelli wie auch Reparaturen und Unterhalt von Verbauungen. Sichtbar wird vieles davon erst, wenn etwas nicht mehr funktioniert. «Die Natur können wir nicht zähmen, aber wir können versuchen, ihre Kräfte in Wege zu leiten», ist Matthias Ritschard überzeugt. Die eigentliche Arbeit geschieht draussen im Gelände. So kontrollieren Schwellenmeister Dimitri Rubin und Mitarbeiter Hanspeter Sterchi die Gräben regelmässig zu Fuss oder mit Unterstützung einer Drohne. Immer wieder müssen Äste oder umgestürzte Bäume entfernt werden, teilweise mit Motorsäge, Pickel und Schaufel. Nicht jeder Ort ist mit Maschinen erreichbar.
Lebensraum sichern und schützenEntstanden ist die Schwellenkorporation 1864 als Reaktion auf die regelmässigen Überschwemmungen der Lütschine. Im Kanton Bern übernehmen Schwellenkorporationen bis heute wichtige Aufgaben im Wasserbau und Gewässerunterhalt. Der Begriff Schwelli stammt von der «Schwelle» im Wasserbau. Gemeint ist damit ein quer zur Fliessrichtung eingebautes Bauwerk in einem Bach- oder Flussbett. Solche Schwellen stabilisieren Gewässer, bremsen die Kraft des Wassers und helfen mit, Geschiebe und Erosion zu kontrollieren. Die SKBS ist mit Vertreterinnen und Vertretern aus Gemeinden, Grundeigentum und Werken organisiert. Insgesamt gehören ihr 13 Vorstandsmitglieder an. Für Matthias Ritschard ist klar: Heute müsse deutlich mehr Infrastruktur geschützt werden als früher. Die Landschaft zwischen Seen, Bergen und Wildbächen habe sich über Jahrhunderte kaum verändert, die Nutzung durch den Menschen dagegen massiv.
www.boedeli-sued.ch09. Juli 2026