Nach 45 Jahren als Schulhotel Regina steht das historische Gebäude jetzt zum Verkauf. (Bild: Barbara Marty)
Pension, Grandhotel, Schulhotel – und nach 45 Jahren als Ausbildungsstätte wartet das historische Gebäude ob Matten nun auf ein weiteres Leben, das ihm eine neue Eigentümerschaft einhauchen wird.
Es ist um die Mittagszeit, als einige Lernende aus St. Gallen die Stufen vor dem Schulhotel Regina hinuntersteigen. Ob sie nun die Letzten hier oben seien? Bereitwillig geben sie Auskunft. Sie sind im ersten Lehrjahr und finden es schade, dass ihre Ausbildung im Regina bereits endet. Gleichzeitig seien sie froh, dass es für sie weitergehe. Für Lernende im Abschlussjahr sei der Wechsel des Ausbildungsortes mitten im laufenden Lehrjahr etwas umständlich, fügen sie an. Am 9. Oktober wird mit einer «Ustrinkete» Abschied genommen – es ist zugleich der letzte Kurstag im Regina. Bereits am 19. Oktober beginnt der erste Blockkurs in Thun. Seit 1981 diente das Regina als Schulhotel und Internat. Es verfügte über 161 Plätze, die während jeweils fünfwöchiger Blockkurse belegt wurden. In Spitzenjahren absolvierten rund 800 Lernende pro Jahr ihre Blockkurse im Regina, zuletzt waren es rund 350. Über die Jahrzehnte lernten und wohnten hier viele Tausend junge Menschen. Zuletzt wurden Lernende der Berufe Hotel-Kommunikationsfachfrau/-mann EFZ, Restaurantfachfrau/-mann EFZ und Fachfrau/-mann Hotellerie-Hauswirtschaft EFZ sowie der entsprechenden EBA-Ausbildungen unterrichtet.
Von der Pension zum SchulhotelDie Geschichte auf dem Sattlerhübeli reicht wesentlich weiter zurück. 1838 liess der Böniger Grossrat Friedrich Seiler am Rugen eine Pension im italienischen Baustil errichten und nannte sie Jungfraublick. Als sie die wachsende Zahl der Gäste nicht mehr aufnehmen konnte, entstand später auf der Höhe des Sattlerhübelis ein grösseres Hotel gleichen Namens. Dieses wurde im Laufe von rund hundert Jahren mehrfach umgebaut und erweitert. Seine Grösse verdankt das Haus insbesondere Conrad von Rappard. Er kaufte zunächst die Pension Jungfraublick an der Wychelstrasse und beteiligte sich später finanziell an der Aktiengesellschaft, die auf dem Rugen ein Grandhotel errichten wollte. 1863 entstand mit einem Baukapital von 800'000 Franken das erste eigentliche Grandhotel auf dem Bödeli. 1954 erhielt das Haus den Namen Regina. 1979 wurde es für die Ausbildung in der Hotellerie erworben und umgebaut. 1981 begann der Schul- und Internatsbetrieb. Seit 2023 war die Hotelfachschule Thun (HFT) im Regina eingemietet. Nun bündelt sie Grundbildung, Höhere Fachschule und Weiterbildung auf ihrem Campus in Thun. Damit würden Infrastruktur und Know-how an einem Ort zusammengeführt und Doppelstrukturen reduziert, erklärt HFT-Schulleiter Raphaël Gaudart. Die bisherigen Grundbildungsangebote werden in Thun weitergeführt. Gleichzeitig ändert sich das Internatsmodell. Für Lernende von weiter her plant die HFT einen modularen Neubau mit 44 Betten. Mit dem Regina gehe dennoch etwas verloren. Viele Tausend junge Menschen verbänden Erinnerungen, Freundschaften und wichtige Schritte ihres Berufslebens mit dem Haus. «Eine solche Geschichte kann man nicht einfach nach Thun zügeln», sagt Gaudart. Für die Standortgemeinde Matten bedeutet die Schliessung nach 45 Jahren den Verlust eines langjährigen Ausbildungsstandorts. Ein Kauf durch die Gemeinde kommt nicht infrage; eine kantonale Nutzung war bereits Gegenstand einer Anfrage im Grossen Rat. Für die Stiftung Tschumi gehört der Besitz eines Hotels oder Internats nicht zum statutarischen Auftrag. Mit dem Verkauf könne sie ihre Mittel künftig gezielt für Stipendien, Unterstützungsbeiträge und Förderprojekte einsetzen, erklärt Stiftungsratspräsidentin Brigitte Berger Kurzen.
Im nächsten LebenDer Verkaufsprozess ist inzwischen fortgeschritten. Ausgewählte Interessenten werden dem Stiftungsrat noch im Oktober ihre Projekte und Kaufpreisangebote präsentieren. Wie das Gebäude künftig genutzt wird, hängt vom Käufer und von den Möglichkeiten der Nutzungszone ab. Und wenn man einfach aus dem Vollen schöpfen dürfte? Das Haus hat in seiner langen Geschichte schon verschiedene Hüte und sogar eine Krone getragen. Vorstellbar wäre vieles: ein Hub für Jungunternehmen, Räume für Sitzungen und Retreats, ein Ort für Kultur und Begegnung. Welches nächste Leben dem Regina tatsächlich eingehaucht wird, ist noch offen.
www.stiftung-tschumi.ch08. Oktober 2026