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Kultur

Interview mit Lara Stoll

Sie kommt nicht leise: Im Gepäck hat sie Poesie, Punk, Saxofon und eine Posaune. Ende Oktober tritt Lara Stoll an der Comedy-Nacht in Matten auf. Vorher spricht sie über Reformhäuser, Liebe, Salatbuffets – und darüber, wie viel Schweiz ein Mensch eigentlich aushält.

Anzeiger Interlaken: Sie kommen Ende Oktober nach Matten. Hat man Ihnen gesagt, was Sie erwartet – oder bloss, dass es hier ziemlich viele Berge gibt? Lara Stoll: Ich kenne Interlaken! Es ist wunderschön, und ich staune jedes Mal aufs Neue über das einzigartige Wechselspiel zwischen den Bergen und dem Tal.

Ihr fünftes Soloprogramm heisst «Volume 5 - Die Rückkehr». Wohin kehren Sie zurück: auf die Bühne, zu sich selbst oder zu einem Salatbuffet, das noch nicht abschliessend analysiert wurde? Ich habe zwischen meinem letzten Soloprogramm und dem aktuellen eine Bühnenpause eingelegt – ich glaube, fast zwei Jahre –, da ich an meinem Buch «Gunni», das kürzlich erschienen ist, gearbeitet habe. «Die Rückkehr» bezieht sich daher tatsächlich einfach auf die Rückeroberung der Bühnen.

Sie arbeiten sich im neuen Programm unter anderem an der Schweiz ab. Ist die Schweiz ein dankbares Gegenüber für Satire, oder wird sie still beleidigt und schreibt danach eine eingeschriebene Beschwerde? Es ist ein Privileg, die Schweiz ein bisschen piesacken zu dürfen. In anderen Ländern sieht das anders aus. Und gerade, weil ich es darf, fühle ich mich als Kabarettistin fast schon verpflichtet, es auch zu tun. Dass eine Gesellschaft Kritik, Satire und auch ein bisschen Provokation aushält, spricht letzten Endes für eine funktionierende Demokratie und eine halbwegs gesunde politische Kultur.

In Ihrem neuen Buch «Gunni – Scheitern in 6 Teilen» steht das Scheitern bereits im Titel. Was kann Scheitern, was Erfolg niemals lernt? Hartnäckigkeit und Ausdauer. Ich glaube, Erfolg ist umso süsser, wenn man ihn sich nach dem einen oder anderen Scheitern erarbeitet hat, als wenn er einem einfach in den Schoss fällt. Scheitern zwingt einen, sich zu hinterfragen und zu überlegen, wie man weitermachen will.

Sie haben zahlreiche Preise erhalten, zuletzt 2025 den Greulich Kulturpreis. Wird man durch Auszeichnungen sicherer – oder bloss professioneller beim überraschten Gesicht? Nein, das Gesicht bleibt eigentlich immer überrascht, wenn man einen Preis erhält, und das Herz wird wohlig warm. Wenn man selbstständig erwerbend ist und keine Ahnung hat, wie das nächste Jahr als Künstlerin aussieht, kann man solche Momente sehr gut vertragen.

Wovor haben Sie auf der Bühne mehr Respekt: vor absoluter Stille oder vor einem Menschen in der ersten Reihe, der schon vor der Pointe lacht? Stille! Das Publikum und ich erarbeiten uns in den rund 70 Minuten, die wir gemeinsam im Saal verbringen, etwas. Selbstverständlich sollen die Zuschauerinnen und Zuschauer den Abend geniessen und sich mitreissen lassen. Gleichzeitig braucht es aber auch die Bereitschaft, mir eine Chance zu geben und sich auf diese Reise einzulassen – auf ein Programm, das eben nicht ganz einer klassischen Comedy-Show entspricht, sondern etwas sehr Eigenes ist.

Vervollständigen Sie bitte den Satz: Das Berner Oberland ist für mich …
… ein Ort, den ich definitiv noch besser kennenlernen will!»

Lara Stoll tritt am 30. Oktober, 20.00 Uhr im Kirchgemeindehaus Matten auf, -Tickets unter www.verein-kulturbeutel.ch/lara-stoll/tickets.

www.larastoll.ch



Zur Person – Lara Stoll, geboren 1987 in Schaffhausen und im Thurgau aufgewachsen, lebt in Zürich. Seit ihrer Jugend steht sie als Slam-Poetin, Kabarettistin, Schauspielerin und Sängerin auf der Bühne. 2010 wurde sie Schweizer und Europameisterin im Poetry-Slam. Sie studierte Film an der Zürcher Hochschule der Künste und arbeitet mit dem Kollektiv «Bild mit Ton». Ausgezeichnet wurde sie unter anderem mit dem Deutschen Kleinkunstpreis, dem Salzburger Stier und 2025 mit dem Greulich Kulturpreis. Seit mehr als 17 Jahren trifft man Lara Stoll als Schauspielerin, Kabarettistin und Sängerin auf verschiedensten Bühnen an.
01. Oktober 2026

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