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Interview mit Cindy Zahnd

Cindy Zahnd aus Interlaken war im Eiskunstlauf viele Jahre auf hohem Niveau aktiv und blieb ihrem ersten Club stets treu. Heute engagiert sie sich als Haupttrainerin des EC Jungfrau Interlaken und führt das Restaurant & Bar «Röschtigrabe». Sie spricht über ihren Trainingsalltag, Social-Media-Trends und da­rüber, was junge Läuferinnen und Läufer im Eiskunstlauf wirklich brauchen.

Anzeiger Interlaken: Frau Zahnd, wenn Ihre Läuferinnen im Training aufs Eis gehen – was steht im Mittelpunkt: Technik, Ausdruck oder die Freude am Gleiten? Cindy Zahnd: Die Grundlage ist immer das saubere Laufen auf dem Eis – das Gleiten und das sichere Fahren auf den Kanten. Darauf baut alles andere auf. Gleichzeitig soll die Freude am Eiskunstlauf nie verloren gehen, denn sie treibt die Läuferinnen an. Der Sport ist in den letzten Jahren anspruchsvoller geworden – ohne gute Skating Skills funktioniert nichts.

Wie sieht eine typische Trainingsstunde bei Ihnen aus? Die Läuferinnen kommen idealerweise bereits aufgewärmt aufs Eis. Danach starten wir mit einem kurzen Warm-up und arbeiten an den Skating Skills – also am Gleiten und an der Kantenarbeit. Anschliessend trainieren wir rund zwanzig Minuten Sprünge und Technik. Danach folgen Pirouetten sowie die Arbeit an den Kürprogrammen. Zum Schluss bleibt oft noch Zeit für individuelle Elemente oder Gruppenübungen – bei den Jüngeren auch spielerisch. In der Wettkampf- und Testsaison liegt der Fokus auf den Programmen.

Viele Zuschauer sehen Eiskunstlauf nur bei grossen Wettkämpfen. Was unterschätzen sie am meisten? Eine Kür kann bis zu viereinhalb Minuten dauern – und in dieser Zeit steht eine einzige Person allein auf dem Eis. Alle Augen sind auf sie gerichtet. Das verlangt nicht nur körperliche Fitness, sondern auch mentale Stärke, Konzentration und Ausdauer. Für das Publikum wirkt vieles leicht und elegant – doch hinter jeder Bewegung stecken unzählige Trainingsstunden.

Auf Social Media kursieren derzeit viele Videos von Topläuferinnen wie Alysa Liu. Spüren Sie diesen Einfluss auch im Nachwuchs? Ja, diesen Einfluss spüre ich bereits bei den ganz jungen Läuferinnen. Videos von Topläuferinnen wie Alysa Liu inspirieren viele: Sie sehen neue Elemente oder Bewegungen und möchten sie selbst ausprobieren. Auch erfolg­reiche Schweizer wie Lukas Britschgi motivieren sehr. Wichtig ist aber, dass die Freude am Sport im Mittelpunkt bleibt – der Weg dorthin ist lang.

Kommen Ihre Läuferinnen manchmal mit Ideen aus TikTok oder Instagram ins Training? Das kommt durchaus vor. Man sieht zum Beispiel neue Einstiege oder Ausgänge aus Pirouetten oder kleine Elemente, die man einbauen kann. Social Media kann eine gute Inspirationsquelle sein – solange die Basis stimmt.

Wenn eine Ihrer Läuferinnen ein Video eines Eiskunstlauf-Stars sieht und sagt: «Das will ich auch» – was antworten Sie? Dann sage ich zuerst: «Let’s go!» – solche Ziele sind schön. Motivation und Ehrgeiz sind in diesem Sport sehr wichtig. Aber der Weg dorthin besteht aus vielen Trainingsstunden – auf dem Eis und auch daneben, mit Krafttraining, Koordination und Ballett. Entscheidend ist, dranzubleiben.

Was braucht es, damit aus einem Kind aus der Region einmal eine ernsthafte Wettkampfläuferin wird? Vor allem Motivation – bei den Läuferinnen selbst, aber auch bei den Eltern und im Umfeld. Eiskunstlauf ist ein sehr trainingsintensiver Sport. Man muss bereit sein, viel Zeit zu investieren und dranzubleiben. Gleichzeitig soll die Freude immer an erster Stelle stehen.

Was wünschen Sie sich für den Eiskunstlauf-Nachwuchs in der Region? Der Eiskunstlauf steht manchmal etwas im Schatten anderer Eissportarten. Für uns sind deshalb genügend Eiszeiten und Unterstützung sehr wichtig. Wenn junge Läuferinnen gute Trainingsmöglichkeiten haben, kann sich auch der Nachwuchs weiterentwickeln.

www.ec-jungfrau.ch

Der EC Jungfrau Interlaken zählt derzeit rund 50 aktive Mitglieder. Wie viel Können, Ausdruck und Trainingsarbeit im Eiskunstlauf stecken, zeigt sich beim Schaulaufen «Durch das 20. Jahrhundert». Der Club lädt dazu am Sonntag, 29. März, um 15.00 Uhr
ins Eissportzentrum Matten ein.

Zur Person: Cindy Zahnd (28) aus Interlaken war rund zehn Jahre im Eiskunstlauf auf Leistungssportniveau aktiv. Sie begann beim EC Jungfrau Inter-laken in Matten und trainierte später in Clubs in Zürich sowie längere Zeit in den USA. Sie nahm an intern-atio-nalen Wettkämpfen teil, absolvierte SIS-Tests und beherrschte auch anspruchs-volle Dreifachsprünge. Ihre Karriere beendeten – leider vorzeitig – schwere Knie-verletzungen. Heute gibt sie ihre Erfahrung als Trainerin weiter und absolviert aktuell die Ausbildung zur J+S-Leiterin im Rahmen von Jugend+Sport. Beruflich führt sie das Restaurant & Bar «Röschtigrabe» in Interlaken.

19. März 2026

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