Bild: Christoph Buchs
Sport

Interview mit Daniel Rutschi

Daniel Rutschi ist neuer Ausbildungschef bei den Beo Yetis. Der langjährige Eishockeyprofi mit um-fassender Erfahrung im Nachwuchsbereich spricht im Interview über seine Philosophie und seine Ziele.

Wie kam das Engagement bei den Beo Yetis zustande? Über zwei Mitglieder der Sportkommission der Yetis ergab sich ein Gespräch, in dem ich meine Ideen vorstellte. Anscheinend entsprechen meine Vorstellungen jenen der Sportkommission. Mit Vizepräsident Michael Bühler habe ich in den 90er-Jahren beim SC Bern gespielt. Er kennt mich und weiss, wie ich funktioniere.

Sie haben eine grosse Erfahrung in der Nachwuchsarbeit. Was ist in diesem Job neu für Sie? Dass ich auf dem Eis nicht den Lead habe, ausser wenn ich gelegentlich ein Training leite. Ich war auch schon an Matches dabei, um den Coaching-Staff zu unterstützen und die Spieler lösungsorientiert zu korrigieren.

Was beinhaltet Ihr Job alles? Ich wurde geholt, um in alle Nachwuchsstufen reinzuschauen. Besteht irgendwo Verbesserungsbedarf in der Ausbildungsarbeit, dann gebe ich meine Inputs. Natürlich sitze ich viel mit den Trainern zusammen. Wichtig war mir, in allen Trainingslagern der Nachwuchsstufen präsent zu sein. Dies war für mich sehr aufschlussreich. Unter dem Motto «coach the coach» habe ich eine Beraterrolle für sämtliche Nachwuchstrainer. Coach zu sein, ist ein fortwährender Lernprozess.

Welche Philosophie vertreten Sie im Hockey? Am wichtigsten ist mir, dass der Spass über allem steht. Jede und jeder muss gerne ins Training kommen, es muss «fäge». Eishockey ist eine Lebensschule. Das meine ich wortwörtlich. Man lernt hier Disziplin, Hochs und Tiefs als Mannschaft zu verarbeiten, sich im Team unterzuordnen und als Team an einem Ziel zu arbeiten. Ich sehe das bei mir selber: Meine engsten Freundschaften entstammen aus der Zeit, in der ich anfing, Hockey zu spielen.

Welchen Eindruck haben Sie von der Nachwuchsbewegung Beo Young Yetis? Ich sehe, wie viel Engagement  und Herzblut in diesem Verein steckt. Spieler wie auch Trainer sind wissbegierig, alle wollen einen Schritt weiterkommen.

Wo legen Sie Schwerpunkte in der Ausbildung? Welche Grundwerte sind Ihnen besonders wichtig? Hinsichtlich Spielsystem habe ich ein Playbook erstellt, nach dem die Nachwuchsteams ab U14 arbeiten. Wichtig ist mir, dass man nie aufgibt, keine Chance vor dem Tor auslässt, keine Scheibe verlorengibt, immer kämpft. Holt sich im Training ein Spieler eine neue Scheibe, weil die vorgesehene Scheibe zu weit entfernt in der Spielfeldecke liegt, dann pfeife ich ab. Im Spiel hat man schliesslich auch nur eine Scheibe. Qualitativ hohe Pässe sind mir wichtig. Das fängt beim Pass von Verteidiger zu Verteidiger an. Im Angriffspiel will ich Automatismen einbringen: Nach einem Schuss darf man nicht abdrehen, sondern muss vor dem Tor nachsetzen. Solche Dinge muss man schon als Kind lernen, spätestens in der U12 und U14, den «goldenen Lehrjahren», wie ich diese Jahrgänge nenne. In dem Alter saugen die Kids das Gelernte auf wie Schwämme. Wir wollen, dass die Spieler mutig sind und keine Angst vor Fehlern haben. Wir verlieren nie. Entweder wir gewinnen – oder wir lernen.

Ausblick auf die Saison: Welche Ziele gibt es, welche Erwartungen haben Sie? Es gibt verschiedene Ziele. Zum Beispiel der Klassenerhalt der Teams, die auf Stufe Top spielen. Mit der U16 möchte man aufsteigen. Am wichtigsten ist mir persönlich, dass wir Ende Saison sagen können: Wir haben jeden Spieler und jede Spielerin auf ihrem individuellen Niveau weitergebracht.

www.beo-yetis.ch



Zur Person – Daniel Rutschi (58) war 13 Jahre lang Eishockeyprofi. Er spielte hauptsächlich für den SC Bern, aber auch zwei Jahre für Rapperswil-Jona und ein Jahr für Olten. Fünf Jahre lang arbeitete er als Stufenleiter im Nachwuchsbereich des SCB und bringt als ehemaliger Aussendienstmitarbeiter eines Hockeyausrüsters auch Erfahrung im Materialbereich mit. Seit acht Jahren ist er als Trainer der U13- und U14-Auswahlen des Berner Kantonal-Eishockeyverbands tätig. In einem Teilpensum fährt er als Buschauffeur für Bernmobil. Er wohnt in Schönbühl.
24. September 2026

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