Die 20-jährige Interlaknerin Alena Rossel spielt neu beim HC Davos in der SWHL-A, der höchsten Schweizer Frauenliga. Wie sie zum Eishockeysport kam und warum sie ins Bündnerland gewechselt hat, erzählt die Nationalspielerin im Interview.
Anzeiger Interlaken: Nach drei Saisons beim SC Bern spielen Sie neu beim HC Davos. Wie kam es zu diesem Wechsel? Alena Rossel: Hauptgrund war der Abschluss meiner gymnasialen Ausbildung an der OYM-Schule im Kanton Zug. Ich ging dort während vier Jahren zur Schule. Für mich endete ein Kapitel, und ich war bereit für etwas Neues. In Davos sehe ich die Chance, mich als Spielerin, aber auch als Person weiterzuentwickeln. Auch die Infrastruktur in Davos hat bei meinem Entscheid sicher eine Rolle gespielt.
Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem neuen Verein? Unser grösstes Ziel ist sicher der Meistertitel, aber uns ist auch wichtig, das Frauenhockey sichtbarer zu machen. Vieles hat sich bereits getan, aber wir sind noch lange nicht dort, wo wir hinmöchten.
Was möchten Sie als Spielerin zu dieser Entwicklung beitragen? Auf der Marketing-Ebene können wir den Frauensport stärker promoten. Und natürlich auf dem Eis performen. So merkt das Publikum: Es macht Spass, zuzuschauen. Im Übrigen ist die Entwicklung des Frauenhockeys ein Geben und Nehmen zwischen Vereinen, der Liga und dem Verband. Was den HC Davos angeht, spielt uns sicher in die Karten, dass der Ort selber relativ klein ist. Der HCD hat im Dorf einen riesigen Stellenwert. Die Spieler und Spielerinnen werden schnell einmal erkannt.
Neben dem Eishockeysport sind Sie auch noch beruflich engagiert? Ich will arbeiten gehen, um nebenbei ein wenig Geld zu verdienen. Die meisten Spielerinnen arbeiten zwischen 70 und 100 Prozent, um sich ihr Leben zu finanzieren. Auch wenn die Löhne im Frauenhockey immer mehr steigen, können bislang erst die ausländischen Spielerin--
nen davon leben, dazu eine Handvoll Schweizer Spielerinnen. Die meisten bewältigen also eine Doppelbelastung. Solche Dinge werden von Fans und Zuschauenden schnell einmal vergessen.
Wie wurde Alena Rossel zur Hockeyspielerin? An diesen Moment kann ich mich noch gut erinnern: Wir besuchten in Bern ein Juniorenspiel meines Cousins Pascal Rossel, der heute beim EHC Thun spielt. Auch mein älterer Bruder spielte bereits Hockey. So begann ich auch zu spielen, und der Sport hat mich nicht mehr losgelassen.
Als 14-Jährige spielten Sie bereits in der höchsten Schweizer Frauenliga. Wie kam das? Das hatte vor allem mit Corona zu tun. Ich spielte zu dieser Zeit beim HC Dragon Thun im Nachwuchs. Irgendwann durften nur noch in den höchsten Aktivligen Eishockeyspiele stattfinden. Darum wechselte ich zum damaligen Frauenverein BOMO Thun, der später vom SC Bern übernommen wurde. Nach zwei, drei Trainings spielte ich bereits in der Meisterschaft. In der Zwischenzeit hat sich das Frauenhockey unglaublich gewandelt.
Inwiefern? Die Geschwindigkeit, die Skills der Spielerinnen – es ist einfach ein qualitativ sehr gutes Eishockey daraus geworden. Heutzutage kommt man auch als Frau nicht mehr so einfach in die höchste Liga. Viele junge Spielerinnen müssen sich zuerst einmal ans Niveau gewöhnen.
Welche sportlichen Ziele verfolgen Sie? Die nächsten olympischen Winterspiele sind sicher ein Ziel. Ich habe schon mehrfach mit der «Nati» an Weltmeisterschaften gespielt, aber dieses Jahr in Mailand überstand ich den letzten «Cut» im Nationalteam leider nicht. Weiter ist sicher der Sprung in die amerikanische Profiliga ein Ziel. Um dort ins Gespräch zu kommen, ist die Performance an internationalen Spielen sehr wichtig. Auch die schwedische Liga kommt für mich in Frage.
www.hcd.ch08. Oktober 2026