Alpengarten-Mitglieder sahen beim Gartenrundgang mit Sorge, wie die Vegetation im künstlich angelegten Flachmoor unter Hitze und Trockenheit leidet. (Bild: zvg)
2027 wird der Alpengarten Schynige Platte 100-jährig. 1,3 Millionen Franken sind budgetiert, um den botanischen Garten auf der Schynigen Platte zu seinem runden Geburtstag fit für die Zukunft zu machen.
Im Zentrum des Projekts «Futura» stehen zum einen die Bewässerung, die mit zunehmend heissen und trockenen Sommern immer wichtiger wird, zum andern eine zeitgemässe Wissensvermittlung, welche die Vielfalt der Alpenflora Fachleuten und Laien gleichermassen zugänglich macht. Für eine bessere Bewässerung wird in einem ersten Schritt der Schmelz- und Regenwasserspeicher der alten, neun Kubikmeter grossen Zisterne vervierfacht. Für die Wissensvermittlung werden der Ausstellungsraum umgebaut, eine neue Ausstellung konzipiert und die bisherigen Beschriftungen im Garten mit digitalen Zugängen zu weiterführenden Informationen ergänzt. Eine Solaranlage soll künftig den Strom für die Bewässerung, die Ausstellung, das Gärtnerinnenhaus und den Kiosk liefern. «Die Finanzierung ist bisher zu über 90 Prozent gesichert», berichtete Gärtnermeister Hansruedi Brunner, der die Arbeitsgruppe «Futura» leitet, an der 99. Hauptversammlung des Trägervereins am 27. Juni im Alpengarten. Beiträge gesprochen haben der Kantonale Lotteriefonds, Stiftungen, Private, die Regionalkonferenz Oberland Ost sowie zahlreiche Gemeinden und Burgergemeinden aus der Region. Einen Fünftel der Projektkosten kann der Alpengarten aus eigenen Mitteln und mit Eigenleistungen beisteuern.
Der Klimawandel im GartenMit einer Gartenführung zeigte der Botaniker Adrian Möhl interessierten Mitgliedern, wie sich die Klimaerwärmung mit den immer häufigeren heissen, trockenen Frühlings- und Sommermonaten auf die verschiedenen Pflanzengesellschaften im Alpengarten auswirkt. So gedeihen Pfingstrosen, Feuerlilien und viele andere süd- und inneralpine Arten in den neu angelegten Quartieren für die Tessiner und Walliser Flora prächtig. Arten wie dem hochalpinen Himmelsherold hingegen ist es auf 2000 Metern über Meer definitiv zu warm geworden. Und in den beiden künstlich angelegten Flachmooren sind bereits die ersten Pflanzen verdorrt, obwohl sie vom Gartenteam sorgfältig gegossen werden. «Nur dank dem aussergewöhnlichen Engagement, Wissen und Können der Gärtnerinnen kann der Alpengarten heute über 800 Pflanzenarten aus den Schweizer Alpen zeigen», sagte Adrian Möhl. Am Beispiel des winzigen Zwerghahnenfusses, der gegenwärtig im sauren Flachmoor ums Überleben kämpft, zeigte der Botaniker, was der Verlust jeder einzelnen Pflanze bedeutet. Fazit: «Der Garten ist dringend auf die Verbesserung der Bewässerung angewiesen.» Neben der Pflege der eigenen Pflanzen hat der Alpengarten Schynige Platte von seinen Gründern auch einen Naturschutzauftrag bekommen. Zu diesem Thema brachte der wissenschaftliche Leiter, Markus Fischer, der Hauptversammlung guten Bericht aus der Erforschung der «Lüdi-Weide»: In der Versuchsweide, die kurz nach dem Alpengarten ebenfalls auf der Alp Äusser Iselten angelegt wurde, ist der Einfluss des Klimawandels auf die Pflanzenvielfalt bisher noch nicht so gross wie befürchtet. Ähnlich stark wirkt sich der Stickstoffeintrag aus der Luftverschmutzung aus, und noch stärker die Art der Landnutzung. Etliche Fragen und Anregungen aus der Versammlung zu den Einzelheiten des Jubiläumsprojekts zeugten vom Interesse und der Verbundenheit der Mitglieder mit dem Alpengarten. Die 57 anwesenden Stimmberechtigten genehmigten alle Geschäfte einstimmig. Mit Applaus wurden Katrin Rossel und Mathias Boss neu in den Vorstand gewählt. Und Präsident Peter Aeschimann ist zuversichtlich, dass die wichtigsten Teile des «Futura»-Projekts bis nächsten Sommer fertig werden – pünktlich zum Jubiläumsfest, das der Alpengartenverein zusammen mit den Sponsoren im August 2027 feiern will.
www.alpengarten.ch16. Juli 2026