Auf dem Bödeli wird das Klima zunehmend zur gemeinsamen Aufgabe. (Bild: zvg)
Beim Klimaschutz will Interlaken als Vorbild vorangehen. Die eigenen Betriebe sollen bis 2040 klimaneutral sein – als Etappenziel auf dem Weg zu Netto-Null bis 2050. Welche Massnahmen wurden bereits umgesetzt und was folgt als Nächstes?
Der Klimawandel ist auf Gemeindeebene längst angekommen. Hitzetage, versiegelte Flächen, Energiefragen oder die Mobilität beschäftigen Interlaken. Mit einer eigenen Klimastrategie wurden nun Schritte definiert, sowohl beim Klimaschutz als auch bei der Anpassung an die Folgen der Erwärmung. Als zentrale Hebel gilt die Wärmeversorgung. Im Gebäudebereich setzt Interlaken verstärkt auf erneuerbare Heizsysteme. Fossile Heizungen in gemeindeeigenen Liegenschaften sollen am Ende ihrer Lebensdauer konsequent ersetzt werden. Dazu wurden zusammen mit Unterseen, Matten und der IBI AG die Wärmekarte Bödeli als Messwerkzeug sowie weitere Grundlagen für eine langfristige Planung erarbeitet. Beim Verkehr schafft Interlaken entsprechende Anreize: «Vergünstigte Parkgebühren für emissionsfreie Fahrzeuge, der Ausbau von Ladeinfrastrukturen sowie die Förderung von E-Carsharing und Langsamverkehr sind Ideen, die wir im Massnahmenkatalog eingeplant haben», so Ressortvorsteherin Tiefbau, Sabrina Amacher. Die Gemeinde hat acht der insgesamt 21 Fahrzeuge auf elektrisch umgestellt. Darunter auch das erste elektrisch betriebene Kehrichtfahrzeug in Interlaken. Es sei leiser unterwegs und falle im Alltag kaum mehr auf, erwähnt sie. Künftig werden alle zu ersetzenden Fahrzeuge, sofern möglich, durch emissionsfreie ersetzt. Zudem sind schon verschiedene Energie- und Klimaschutzmassnahmen umgesetzt. So wurde die öffentliche Beleuchtung auf LED umgerüstet. Dadurch sank dieser Stromverbrauch von rund 456 Megawattstunden im Jahr 2014 auf rund 211 Megawattstunden im Jahr 2021.
Erfreut berichtet die Ressortleiterin: «Bei den gemeindeeigenen Liegenschaften stieg der Anteil erneuerbarer Wärme schon deutlich an, und dank dem Ausbau der Photovoltaikanlagen konnte die installierte Leistung um das Neunfache erhöht werden.»
Mehr Grün gegen die Hitze
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Klima in öffentlichen Räumen. Gerade während der Sommermonate gewinnen Begrünung, Entsiegelung und kühlende Grünräume an Bedeutung. So soll beispielsweise der Amman-Hofer-Platz begrünt und – wenn möglich – teilweise entsiegelt werden. «Mit dem Ziel, die Aufenthaltsqualität an heissen Tagen zu verbessern und zusätzliche beschattete Bereiche zu schaffen», sagt Sabrina Amacher. Auch andere öffentliche Plätze sollen bei Sanierungen klimaangepasst gestaltet werden. Denkbar sind zusätzliche Begrünungen, Beschattungen oder punktuelle Sprühnebelanlagen. Ebenfalls umgesetzt wurde das Schwammstadtprinzip bei der Sekundarschule Interlaken, wo Regenwasser in Tanks gesammelt und durch den Werkhof wiederverwendet werden. Damit die Strategie nicht abstrakt bleibt, will die Gemeinde die Bevölkerung einbeziehen. Ideenbriefkasten, öffentliche Informationsveranstaltungen und die Vorstellung der Klimastrategie waren bereits Teil davon. Ausserdem sollen Eigentümerinnen und Eigentümer, Unternehmen und weitere lokale Akteure für Klimathemen sensibilisiert werden. Ergänzend dazu ist ein digitaler Ideenbriefkasten vorgesehen. Denn eines zeigt sich deutlich: Klimaschutz und Klimaanpassung lassen sich nicht allein politisch verordnen. Entscheidend ist vielmehr, wie Gemeinde, Wirtschaft und Bevölkerung Klimathemen wahrnehmen und gemeinsam handeln.
www.interlaken-gemeinde.ch18. Juni 2026