Präzises Handwerk: Mit Hammer und Meissel wird der Stein Schicht um Schicht bearbeitet. (Bild: Rolf Kläger)
Ein Stück Stein, Bronze oder Holz. Hart, schwer, sogar etwas abweisend. Und irgendwo tief darin eine Form, die darauf wartet, freigelegt zu werden. Diesen Samstag eröffnet die Ausstellung «Unser Schaffen» und zeigt, was daraus entstehen kann.
Bildhauerinnen und Bildhauer sowie Steinmetzinnen und Steinmetze erzählen bisweilen, sie hätten einem Werk seine Gestalt nicht gegeben, sondern lediglich sichtbar gemacht, was im Material bereits angelegt war. Wer Skulpturen aus der Nähe betrachtet, versteht, was sie damit meinen könnten. Da möchte man mit der Hand über Flächen und Kanten fahren, Spuren des Werkzeugs ertasten und wissen, wie aus einem massiven Stück Materie etwas beinahe Leichtes entstehen konnte. Genau diese Nähe zum Material steht im Zentrum der Ausstellung «Unser Schaffen» in der Kunstsammlung Unterseen. 24 Fachleute zeigen vom 29. August bis 13. September, wie weit ihr Beruf reicht. Zehn der Ausstellenden sind Frauen – in einem Berufsfeld, das lange als Männerdomäne galt. Der Beruf wird heute in einer vierjährigen Ausbildung zur Steinmetzin oder zum Steinmetz EFZ erlernt; Bildhauerei ist eine von vier Fachrichtungen. In der Dachstockgalerie des Stadthauses sind Skulpturen ebenso wie Restaurationsarbeiten, Grab- und Gedenksteine oder Arbeiten an Brunnen und öffentlichen Bauten zu sehen. Auch Prozessdokumentationen von grossformatigen, bereits realisierten Arbeiten werden präsentiert, darunter jene zur Gestaltung eines Kreisels in Lyss.
Längst dreht sich dabei nicht alles um Stein. Bronze, Holz, Stahl und Glas kommen ebenfalls zum Einsatz. «Unsere Gilde macht mehr als Grabmale», sagt die Böniger Bildhauerin Gabriele Stähli. Die Präsidentin des Regionalverbands Aare hatte die Idee zur Ausstellung und kuratiert sie. Ihr war wichtig, bewusst keine typische Kunstausstellung zu schaffen, sondern die ganze Bandbreite zwischen Kunst und Handwerk sichtbar zu machen. Sie selbst zeigt unter anderem eine Stein-Sichturne. Auch darin spiegelt sich ein Wandel: Die Bestattungskultur habe sich stark verändert, viele Menschen wünschten sich heute eine Beisetzung in der Natur. Mittels Kernbohrung entsteht im Stein ein Hohlraum für die Asche. So wird der Stein selbst zur Urne – und kann die Angehörigen begleiten, ohne an einen festen Ort gebunden zu sein. «Mit meinem Beitrag möchte ich auch ein Bewusstsein dafür schaffen, was es daneben noch gibt», sagt Stähli. Organisiert und realisiert wird die Ausstellung durch den Vorstand des Regionalverbands Aare. Der Regionalverband ist Teil des gesamtschweizerischen Berufsverbands VSBS; für «Unser Schaffen» sind Fachleute aus der ganzen Schweiz eingeladen. Die Verbandsmitglieder treffen sich jeden Sommer zum fachlichen Austausch. In diesem Jahr führt sie das Treffen aufs Bödeli. Parallel sind im Garten des Mattenhof Resorts in Matten grossformatige Werke pensionierter Bildhauerinnen und Bildhauer aus den Reihen des Regionalverbands Aare zu sehen.
www.vsbs.ch20. August 2026