Ein Weibchen zeigte sich im Geröll. (Bild: Christian Siegenthaler)
Kultur

Seltener Falter vor der Linse

Seit zwei Jahren war er gemeinsam mit einem ausgewiesenen Kenner der Bergschmetterlinge auf der Suche nach einem ganz besonderen Falter. Nun wurde der Fotograf und Naturbeobachter Christian Siegenthaler aus Gsteigwiler fündig.

Gerade einmal 24 bis 28 Millimeter beträgt seine Spannweite. Psodos wehrlii, manchmal auch Wehrlis Gletscherspanner genannt, ist ein äusserst seltener Bewohner der Hochalpen. 1918 entdeckte der Schmetterlingskundler Eugen Wehrli den damals noch unbekannten Falter am Mettelhorn bei Zermatt auf 3400 Metern über Meer. Später fand er ihn an weiteren hochalpinen Standorten. Dabei war Wehrli nicht einmal der Erste, der dem Falter begegnete. Bereits 1914 hatte Robert Kitschelt ein Exemplar im Ortlergebiet entdeckt, seinen Fund jedoch nicht bekannt gemacht. Als die bis dahin unbekannte Art später wissenschaftlich beschrieben wurde, erhielt sie Wehrlis Namen. Der Erstfinder hatte das Nachsehen. Danach wurde es still um die Art: Nachweise blieben äusserst selten. 2019 gelang dem ausgewiesenen Bergschmetterlingskenner Jürg Schmid nach mehreren vergeblichen Suchen wieder ein Fund. Seit Sommer 2024 machte sich Christian Siegenthaler gemeinsam mit ihm auf die Suche. Am 20. Juli dieses Jahres war es so weit: Im Geröll zeigte sich ein Weibchen. Damit ist ihre Arbeit nicht be­endet. Die beiden wollen weitere ­Gletschervorfelder gezielt absuchen. Entscheidend sind dabei auch die ­Futterpflanzen der Raupen. Dazu zählen Gegenblättriger Steinbrech, Alpenmannsschild und Himmelsherold. Fehlen sie, ist laut Siegenthaler auch die Wahrscheinlichkeit gering, den seltenen Falter anzutreffen. Wo genau sich das seltene Weibchen zeigte, bleibt ­bewusst ungenannt. Die Suche nach weiteren Vorkommen von Psodos wehrlii geht unterdessen weiter.

www.focus-natur.com
03. September 2026

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