Die Sommersaison war für Eiger Sport in Unterseen speziell. Baustelle vor dem Haus, heisse Wochen und veränderte Kundenbedürfnisse verlangten Flexibilität. Samuel Gerber, Mitglied der Geschäftsleitung, spricht über Beratung, Intersport, Mieten und die Zukunft des Velobereichs.
Was bleibt von diesem Sommer? Samuel Gerber: Es war ein spezieller Sommer. Die Baustelle hat den Zugang erschwert, vor allem mit dem Auto. Das haben wir bei Frequenzen und Umsatz gespürt. Gleichzeitig war es heiss. Bademode, schnell trocknende Tücher und Trailrunning-Schuhe waren stark gefragt.
Das Wetter hat also neue Bedürfnisse geschaffen? Genau. Die Leute waren viel draussen, an Seen, auf Wanderwegen oder Trails. Dort können wir unsere Stärke ausspielen: Wir kennen die Region, die Produkte und können beraten.
Beratung klingt im Zeitalter des Onlinehandels fast altmodisch. Vielleicht. Aber sie hat ihren Wert nicht verloren. Online kann man Preise vergleichen. Entscheidend ist, ob ein Schuh oder eine Ausrüstung zur Person und zum Einsatz passt. Ein Schnäppchen kann teuer werden, wenn man zweimal kauft.
Seit 2021 ist Eiger Sport im Händlernetz von Intersport dabei. Wie passt eine grosse Organisation zu einem lokalen Fachgeschäft? Sehr gut. Wir profitieren besonders beim Verleih von der Zusammenarbeit mit den Intersport-Geschäften in Grindelwald, Wengen und Lauterbrunnen. Ein Ski kann bei uns gemietet und dort zurückgegeben werden – oder umgekehrt. Dazu kommt das gemeinsame Skitestzentrum auf dem Männlichen. Auch online sind unsere Angebote sichtbar.
Bleibt dabei genügend Eigenständigkeit? Unbedingt. Das Sortiment bestimmen wir selbst. Wir kennen die Kundschaft und die Bedürfnisse vor Ort. Intersport gibt uns Stärke im Hintergrund, etwa bei Verleih, Konditionen oder Vermarktung.
Beim Velo haben Sie zuletzt die Öffnungszeiten von Eiger Velo angepasst. Warum? Die Nachfrage nach Servicearbeiten ist enorm. Unsere Mechaniker mussten gleichzeitig schrauben und Laufkundschaft bedienen. Die Unterbrüche waren unbefriedigend. Darum geben wir Serviceaufträgen mehr Priorität. Wer sein Velo bringt, soll es möglichst termingerecht gewartet zurückbekommen.
Und trotzdem ist das Ende von Eiger Velo absehbar … Ja. Das hat nicht damit zu tun, dass das Velo keine Zukunft hätte. Im Gegenteil, die Servicenachfrage zeigt das Potenzial. Wir haben aber gemerkt, dass wir als Familie aus dem Outdoor- und Sportbereich kommen. Dort können wir selbst fachlich mitarbeiten. Beim Velo sind wir technisch stark auf Spezialisten angewiesen.
Darum suchen Sie eine Nachfolge? Genau. Ideal wäre ein Velogeschäft oder ein motivierter Velomechaniker, der den Standort selbständig weiterführt. Schön wäre, wenn dort Velokompetenz erhalten bleibt.
Was passiert mit Kundinnen und Kunden, die bei Ihnen ein Velo gekauft haben? Eiger Sport bleibt bestehen und damit auch der Ansprechpartner. Unsere Verpflichtungen erfüllen wir weiterhin. Zugesicherte Serviceleistungen sind gewährleistet. Wenn nötig, arbeiten wir mit Mechanikern oder Fachbetrieben zusammen und suchen individuelle Lösungen.
Gleichzeitig wird das Mieten wichtiger ... Das sehen wir längst bei Ski und zunehmend bei E-Bikes. Wer zwei oder drei Touren im Jahr fährt, muss nicht zwingend ein E-Bike für mehrere tausend Franken besitzen. Beim Mieten bekommt man aktuelles, gewartetes Material und muss sich nicht um Service und Unterhalt kümmern.
Dann ist die Veränderung beim Velo eher Konzentration als Rückzug? Genau. Wir wollen dort stark sein, wo wir selbst mit Herzblut und Fachwissen dabei sind: bei Sportausrüstung, Schuhen, Bekleidung, Beratung und Verleih. Dazu gehören gute Mitarbeitende und die Ausbildung von Nachwuchs. Und wenn wir für den Velostandort eine gute Nachfolge finden, wäre das für alle ein Gewinn.
www.eigersport.ch17. September 2026