Mit baulichen Massnahmen will man die Geschichte des Hotel Belvedere fortschreiben. (Visualisierung: zvg)
Wirtschaft

Weichen für die Zukunft stellen

Das Hotel Belvedere gehört seit über einem Jahrhundert zu Grindelwald. Seit 1907 wird das Haus von der Familie Hauser mit viel Leidenschaft geführt, heute in vierter Generation. Nun ist eine Weiterentwicklung geplant. 

Das erste Hotelgebäude von 1907 wurde über die Jahrzehnte architektonisch mehrfach erweitert, wobei der Betrieb mit diesen Erweiterungen mitwuchs. Die Gästezimmer wurden vergrössert und qualitativ weiterentwickelt, gleichzeitig nahm die Anzahl der verfügbaren Betten jedoch ab. Verschiedene betriebliche Abläufe mussten an die Gegebenheiten der historischen Gebäudestruktur angepasst werden. Unvermeidlich lange Wege mit hohem Personalaufwand prägen heute die Arbeit im Hotel. Nebst diesen Erschliessungsdefiziten sind auch einzelne Bereiche wie der Wellness-­Bereich und die interne Infrastruktur heute zu klein oder nicht mehr optimal angeordnet. Die Planung steht im zeitlichen Zusammenhang mit den vorgesehenen Arbeiten am Trassee der Berner Oberland Bahn direkt hinter dem Hotel. Diese werden den Hotelbetrieb beeinträchtigen, und so ergibt es Sinn, die notwendigen Arbeiten am Hotel zeitlich darauf abzustimmen. Ziel ist es, zusätzliche Schliessungszeiten möglichst zu vermeiden beziehungsweise auf das notwendige Minimum zu beschränken. Bestärkt durch Stimmen aus der Baukommission und dem Gemeinderat, war den Bauherren bald klar: Es darf ein mutiges Projekt werden! Aus diesem Grund führte die Hotel Belvedere Grindelwald AG einen qualitätssichernden Studienauftrag durch, in welchen die Gemeinde Grindelwald bereits früh miteinbezogen wurde. Aus elf eingeladenen Architekturbüros wurden drei ausgewählt, die sowohl konkrete Vorschläge für die kurzfristige Optimierung des bestehenden Hotels wie auch ein langfristiges Gesamtkonzept für das Hotelareal erarbeiteten. Das Projekt «Topografische Intarsie» von Aebi & Vincent Architekten aus Bern wurde vom Beurteilungsgremium einstimmig zur Weiterbearbeitung empfohlen. Ausschlaggebend waren insbesondere die sorgfältige Auseinandersetzung mit der Geschichte des Hotels und dessen verborgenen Chancen, die ortsbauliche Herleitung, die Verträglichkeit mit dem Orts- und Landschaftsbild, die eigenständige Architektursprache, die sich als Teil des Ensembles zurücknimmt, die Qualität der Freiräume und die betrieblich funktionierende Organisation. Letztere führt zur ersehnten Trennung von Gästeverkehr und Anlieferung. Als Grundidee zeigt das Team Aebi & Vincent ein Projekt, welches aus der Spurensuche um das Belvedere ein neues Narrativ schafft.

Eigenständiger Neubau
Das Projekt «Topografische Intarsie» schreibt die Geschichte des Hotels Belvedere fort. Das Konzept behandelt das historische Hotel und den geplanten Erweiterungsbau als zusammengehöriges Ganzes. Das bestehende Gebäude bleibt in seinem ursprünglichen Charakter erhalten und wird behutsam weiterentwickelt. Der strukturell im Sinn eines gestapelten Pavillons gedachte Neubau ist als eigenständiger, kompakter Baukörper konzipiert, der sich selbstverständlich in die Topografie und die Umgebung einfügt, ohne dem historischen Hotel seinen verdienten Platz streitig machen zu wollen. Seine offen gestalteten Gebäudeecken richten die Zimmer auf die umliegende beeindruckende Berglandschaft hin aus. Die mineralische Erscheinung im Äussern stellt den Bezug zur hochalpinen Umgebung her, während im Innern mit Holz ausgekleidete Zimmer Wärme und Behaglichkeit schaffen. Vorgesehen sind zudem die Neuorganisation der Gästebereiche, zusätzliche Zimmer, eine attraktive Verbindung zwischen Haupt- und Neubau sowie die Weiterentwicklung des Wellness- und Spa-Angebots. Das Freiraumkonzept schafft unterschiedliche Aussenräume: den grosszügigen Park, durch den die Ankommenden zum neuen Haupteingang gelangen, die Gartenterrasse für gemütliche Aufenthalte sowie den hoteleigenen Kräutergarten, welcher der neuen Küche direkt angegliedert ist. Auch die betrieblichen Wege werden neu organisiert und unauffällig für den Gast geführt, damit sich Gäste- und Betriebsabläufe möglichst wenig kreuzen. Einzelne Elemente, wie beispielsweise die Ausgestaltung der Lobby und die gastronomischen Angebote des historischen Hotels, werden im nächsten Planungsschritt überprüft und weiterentwickelt. Das vorliegende Konzept ist eine tragfähige Basis, aber noch kein abschliessend ausgearbeitetes oder bewilligtes Bauprojekt.

www.belvedere-grindelwald.ch
17. September 2026

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