Auf dem sportlichen Höhepunkt: Die NLB-Mannschaft des EHC Grindelwald 1981/1982. (Bild: zvg)
Eishockey – Am 10. Januar 1946 wurde der EHC Grindelwald gegründet. Höhen und Tiefen, Meistertitel und Abstiege prägen die Geschichte des Vereins. Heute präsentiert sich der 3.-Liga-Club stabil und mit voller Motivation für die Zukunft.
Eishockey wird in Grindelwald schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts gespielt – oder zumindest ein Vorläufer davon: «Bandy» nannte man die Sportart, die mit Krummstock und Holzpuck auf den Natureisbahnen im Tal betrieben wurde. Englische Gastmannschaften nahmen am Eisbetrieb teil und verliehen dem winterlichen Dorf internationales Flair. 1906 wurde mit dem «Bandy Cup» einer der ältesten Pokale im Schweizer Eissport gestiftet. «Jahrzehntelang galt er als verschollen, bis er 1960 zufällig in einem Gasthof in Grenchen wiederentdeckt wurde», steht in der Jubiläumsschrift des EHC Grindelwald. Der erste Grindelwalder Eishockeyclub wurde im Jahr 1928 gegründet. Die Spiele fanden abwechslungsweise auf einer der zwölf Eisbahnen im Dorf statt. Die komplette Infrastruktur – Holzbanden, Tore, Bretterverschläge – wurde von Spiel zu Spiel mühsam transportiert.
Elf GründungsmitgliederMit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kam der internationale Tourismus zum Erliegen und mit ihm auch der Spielbetrieb. Doch ganz verschwand der Eishockeysport nie: Einige Schulbuben und Idealisten hielten die Flamme am Brennen. Unter der Führung von Alfred Bhend versammelten sich am 10. Januar 1946 elf Männer zur Gründung des EHC Grindelwald. Ein «kameradschaftlicher, sportlich gesunder und unabhängiger Verein» wollten sie sein. Der Club trat dem Schweizer Eishockeyverband bei und bestritt 1947/1948 seine ersten Meisterschaftsspiele. Der sportliche Erfolg liess nicht lange auf sich warten. Nach der Serie B folgten die Serie A und 1952 wurde der EHC Grindelwald Meister in der dritthöchsten Spielklasse. Der Sprung in die Nationalliga B war geschafft. Die Eisbahnen jener Zeit waren einfach: Vogelkäfigartige Tore, niedrige Holzbanden. In über 250 Arbeitsstunden wurden 1949 aus dem Holz zweier mächtiger Tannen neue Banden gefertigt. Bis zu 2000 Zuschauerinnen und Zuschauer säumten zu jener Zeit den «Bristol Ice Rink» hinter dem heutigen Hotel Eiger an den Heimspielen des EHCG. Kanadische Spielertrainer wie Malcolm McAskill, Sydney Arnold, Ken Doig oder Scotty Reed prägten diese Ära. Geldsorgen, fehlendes Kunsteis und schwierige Nachwuchsbedingungen machten ab 1960 einen weiteren NLB-Betrieb unmöglich; der EHCG stieg in die 1. Liga ab. Zehn Jahre später verbot der Verband den 1.-Liga-Betrieb ohne Kunsteis – Grindelwald zog sich zurück.
Heimspiele im Sportzentrum ab 1975
Eine neue Ära begann 1975 mit der Einweihung des neuen Sportzentrums. In der Folge war Grindelwald ein «Liftverein» zwischen der 1. und 2. Liga. Die Clubleitung setzte darauf, durch Investitionen in zugezogene Spieler den alten Glanz der 1950er-Jahre wiederaufleben zu lassen. Unermüdlich erschloss man neue Geldquellen. Im März 1981 war der Aufstieg in die NLB perfekt. Während zweier Saisons hielt der Club die Klasse. 1986 stieg der EHC Grindelwald am grünen Tisch nochmals in die Nationalliga B auf, allerdings nur für eine Saison. 1994 schliesslich wurde der Abstieg in die 2. Liga zur neuerlichen Tatsache. Der komplette Vorstand wurde an einer ausserordentlichen Generalversammlung abgesetzt und Schulden von über 500’000 Franken offen dargelegt. Nach weiteren 18 Jahren, in denen der EHC Grindelwald hauptsächlich in der 2. Liga spielte, folgte im Mai 2012 der freiwillige Abstieg und Neuanfang in der 4. Liga, dies aus finanziellen und personellen Gründen. Die 2.-Liga-Mannschaft hatte zuletzt nur dank eines Nachwuchsverbunds existiert. Für die Clubleitung war klar: Der Verein musste zu seiner Identität zurückfinden.
«Wir haben uns gewehrt»
2016 stieg Grindelwald in die 3. Liga auf – mit eigenem Spielermaterial und neuem Schwung. Sportlich ist der Club seither stabil. «Das Ziel, vermehrt junge Spieler in die Aktivmannschaft zu integrieren, gelang weitgehend sehr gut», steht in der Jubiläumsschrift. Ungemach drohte dafür vom Sportzentrum, das ankündigte, die Eisfläche durch Kunststoffplatten zu ersetzen. «Das hätte unser Ende bedeutet. Doch wir haben nicht tatenlos zugesehen – wir haben uns gewehrt.» Die Idee einer Fusion aller Eishockeyvereine im östlichen Berner Oberland trug der EHC Grindelwald nicht mit. «Wir haben uns entschieden, für unsere Unabhängigkeit zu kämpfen», so der Verein. Man blicke voller Zuversicht in die Zukunft. «Nichts hält uns mehr zurück. Wir sind bereit, den EHC Grindelwald wieder an die Spitze zu führen.»
www.ehcgrindelwald.com08. Januar 2026