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Interview mit Urs Näpflin

Nächste Woche stehen in Wengen die Weltcuprennen auf dem Programm, diese Woche gastiert bereits der Europacup. OK-Präsident Urs Näpflin (66) gibt Auskunft über den Stand der Vorbereitungen und blickt schon heute voraus auf das 100-Jahr-Jubiläum der Lauberhornrennen.

Anzeiger Interlaken: Alles bereit für die Lauberhornrennen 2026? Urs Näpflin: Wir sind im Fahrplan. Nach einer Schönwetterperiode im Dezember mit sehr warmen Temperaturen wurde es zuletzt richtig kalt, sodass wir die Piste perfekt vorbereiten konnten. Auch alle nötigen Umfahrungen sind geöffnet. Aus schneetechnischer Sicht steht den Rennen nichts im Weg.

Welche Änderungen gibt es dieses Jahr im Vergleich zu den Vorjahren? Die Lauberhornrennen stehen und fallen mit der Tradition und der Geschichte: Wir haben eine komplexe Logistik, die Bahn ist für den Transport essenziell. Viele Abläufe lassen sich gar nicht anders gestalten. Was nicht heissen soll, dass wir uns nicht jährlich kritisch hinterfragen. Wir wollen uns verbessern. Letztes Jahr hatten wir um die 80’000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Da war ein Limit erreicht. Der Besucherandrang bei den Siegerehrungen im Weltcupdörfli war zu viel des Guten.

Wie reagiert man darauf? Mit einem neuen Zuschauerlenkungssystem. Wir müssen möglichen Paniksituationen vorbeugen. Der Zutritt zu den Zeremonienplätzen und Zuschauerbereichen wird kontrolliert. Für den öffentlichen Raum – etwa die Dorfstrasse und das übrige Gemeindegebiet – sind wir nicht weisungsberechtigt, stehen aber in engem Kontakt mit den Behörden und der Polizei.

Zur Schneesituation: Ist man am Lauberhorn überhaupt noch auf Naturschnee angewiesen? Nein. Das Weltcupreglement schreibt eine technische Beschneiung vor. Mit Naturschnee bringen wir die erforderliche Pistenqualität gar nicht mehr hin. Diese Schneedichte, insbesondere am Slalomhang, ist nur mit Kunstschnee möglich.

Im Rennprogramm ist der Super-G inzwischen fest verankert. Letztes Jahr gab es Stimmen in den Medien, wonach sich die Lauberhornstrecke für diese Disziplin schlecht eigne. Interessanterweise finden die Athleten auf den vorderen Rängen den Wengener Super-G fantastisch – und jene, die sich nicht wie erhofft klassieren, suchen nach Erklärungen (lacht). Ja, ich habe diese Schlagzeile auch gelesen, aber das nehme ich gar nicht ernst. Ich bin überzeugt, dass der Super-G eine gute Alternative ist. Eine Doppelabfahrt, wie wir sie auch schon hatten, kommt nicht mehr infrage. Da steht sofort die Frage im Raum, wer nun der «richtige» Lauberhorn-Abfahrts­sieger sei. Der Super-G hingegen wertet unser Rennprogramm auf: Er grenzt sich klar ab, lässt sich nicht trainieren, nur besichtigen. Und für uns ist der Super-G wichtig. Wir brauchen drei Anlässe, nur schon aus finanziellen Gründen.

Diese Woche stehen bereits Europacuprennen auf dem Programm. Wie tangieren diese Rennen das Organisationskomitee? Der Europacup ist ein Zusatzaufwand, aber in einem überschaubaren Rahmen. Die Pistenpräparation, die Sicherheitsinstallation und Logistik können wir für beide Wochenenden nutzen. Es ist unsere Verpflichtung, nicht nur den besten Athleten der Welt, sondern auch dem Nachwuchs eine Bühne zu bieten. Letztes Jahr mussten die Rennen leider abgesagt werden, dieses Jahr sieht es besser aus.

Die Lauberhornrennen finden zum 96. Mal statt. Denken Sie heute schon an die magische Zahl 100? Tatsächlich fand bereits ein erster Workshop zu diesem Jubiläum statt. Konkret ist aber noch nichts. Aber es wird eine würdige Feier geben. So wie bei uns üblich: ohne Pomp und Glamour, sondern mit dem Sport im Mittelpunkt, mit der Geschichte und Tradition im Fokus. Mit den Athleten, die diesen Anlass geprägt und die Legende erschaffen haben.

Wie sieht Ihr persönlicher Horizont aus? Sie sagten einmal, dass Sie zum 100-Jahr-Jubiläum abtreten wollen … an diesem Plan halte ich fest. Wenn ich gesund bleibe, werden die Rennen 2030 meine letzten als OK-Präsident sein. Ein Nachfolger wird derzeit aufgebaut.

www.lauberhorn.ch
08. Januar 2026

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