Grüsst Besucher aus aller Welt: Der Bakerman. (Bild: zvg)
Digital – Das Tearoom Bel-Air zeigt einen Monat lang Kunstwerke des in England lebenden Medienkünstlers James Stephen Wright. Im Zentrum des Schaffens steht eine Werbefigur.
James Stephen Wright war 2023 der erste Gastkünstler der Videocity-Residenz in Beatenberg. Seine Aufgabe: sich vom Bergdorf mit dem Panoramablick auf Eiger, Mönch und Jungfrau zu einem neuen künstlerischen Werk inspirieren zu lassen, wie Kuratorin Andrea Domesle in einer Mitteilung schreibt. Mit Drohne und Videokamera ausgestattet, durchstreifte Wright das Dorf. Er wanderte zu den St. Beatus-Höhlen und an den Thunersee, stieg Richtung Niederhorn auf, besuchte das lokale Tourist Office, studierte Broschüren und kaufte in den Lädeli ein. Dabei stiess er auf die Bäckerei und das Tearoom Bel-Air. Vor über 40 Jahren hatte Bäckermeister Arnold Schmocker das alte Haus übernommen. Heute ist es die einzige Bäckerei im Dorf: Jeden Tag um ein Uhr nachts wird aufgestanden, um Brot und Kuchen zu backen. Vor dem Geschäft steht eine fast lebensgrosse, aussergewöhnliche Werbefigur. Schmocker hatte sie in den 1980er-Jahren in Auftrag gegeben. Doch statt eines Gipfelis oder Zopfs aus Polyethylen als Firmenzeichen entwarf der Designer eine Figur, die aus verschiedensten Backwaren besteht. Der «Bakerman» war geboren.
Ein PublikumsmagnetViele Gäste – insbesondere aus Asien oder den Golfstaaten – lieben den «Bakerman» und fotografieren sich mit ihm. Der Bäckermeister sagt schmunzelnd: «Würde ich von jedem Selfie nur ein paar Franken erhalten, wäre ich jetzt ein reicher Mann.» In seinem Video animiert James Stephen Wright die Werbefigur und lässt sie über die grünen Wiesen vor dem berühmten Bergmassiv tanzen. «Wir hoffen, dass die Ausstellung auf diese beschwingte Weise zur Berühmtheit des Künstlers und des Bäckermeisters beiträgt und sich ihr Ruhm weiter in der Welt verbreitet», schreibt Domesle. Dank neuer Technik können Tearoom-Gäste nun virtuell mit dem «Bakerman» tanzen und ein Selfie auf ihr Mobiltelefon laden.
Als Mitbringsel sind ein Auflagenobjekt, ein Foto oder eine Postkarte erhältlich. Wright sagt über seine Arbeit: «Für diese Videotrilogie habe ich Spaziergänge durch Beatenberg im Sinne von Robert Walser unternommen. Er schätzte das, was gemeinhin als das Gewöhnliche bezeichnet wird, und achtete auf das Zusammenspiel von Mensch, Natur und Umgebung – wobei <Natur> als das zu verstehen ist, wie Menschen sie wahrnehmen.» James Stephen Wright ist Medienkünstler und Kurator und arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Technologie. Er erhielt ein zwölfmonatiges Stipendium sowie eine Auszeichnung für sein Lebenswerk vom Freistaat Bayern im internationalen Künstlerhaus Villa Concordia. Seine Arbeiten wurden unter anderem im Life Centre Newcastle, im Museum of London, im Cabaret Voltaire Zürich sowie an Videocity-Ausstellungen in Basel, Bern, Brünn und St. Pölten gezeigt. «Videocity Beatenberg» wurde im Jahr 2023 von der Kuratorin und Kulturmanagerin Andrea Domesle gegründet und startete mit dem Residenz-Programm für Künstlerinnen und Künstler.
Die Videoinstallation ist bis zum 20. Februar zu sehen.
www.videocity.org/beatenberg 29. Januar 2026