Der 29-jährige Mattner Robin Feuz ist Eishockeyschiedsrichter seit seiner Jugend. Aktuell pfeift er Spiele der zweit- und dritthöchsten Schweizer Herrenliga. Die Natio-
nal League ist sein Ziel. Wir erreichten ihn telefonisch auf dem Weg an ein Spiel in Genf.
Anzeiger Interlaken: Welches Spiel wartet heute auf Sie? Robin Feuz: Die Partie zwischen Genf-Servette und Langnau auf Stufe U21-Elit, der höchsten Schweizer Nachwuchsliga. Daneben komme ich hauptsächlich in der MyHockey League, der dritthöchsten Schweizer Liga, als Headschiedsrichter zum Einsatz. Seit dieser Saison habe ich ausserdem Einsätze in der Sky Swiss League, der früheren NLB.
Wie arbeitet man sich als Schiedsrichter nach oben? Im Leistungssport ist es entscheidend, konstant gute Leistungen zu erbringen. Meine Arbeit als Schiedsrichter wird vom Verband regelmässig begleitet und beurteilt. Dabei fliessen nicht nur die sportlichen Leistungen ein, auch persönliche Kompetenzen und das Auftreten sind für einen Einsatz in höheren Ligen relevant. Neben den Spielen können wir uns auch in regelmässigen Schiedsrichter-Camps beweisen, die mehrmals pro Winter stattfinden.
Wie wurden Sie Schiedsrichter? Ich spielte selber Hockey, gehörte aber im Nachwuchs nicht zu den Besten. Irgendwann verging mir ein wenig die Lust auf Hockey. Gleichwohl hatte dieser Sport für mich einen riesigen Stellenwert. Ich wollte dabei sein. So begann ich, Möglichkeiten auszuloten. Für Coaching war ich noch zu jung, darum entschied ich mich für eine Schiedsrichterlaufbahn.
Wie sieht das Aus- und Weiterbildungsprogramm bei einem Schiedsrichter aus? Im Sommer bereiten wir uns in Camps auf die kommende Saison vor. Im Winter gibt es die erwähnten Zwischenmeetings. Da finden auch Leistungstests statt. Da Hockey immer schneller wird, steigen auch die Ansprüche an unsere Fitness. Und natürlich werden auch unsere Regelkenntnisse immer wieder aufgefrischt und getestet.
Wie sieht es mit der Planung aus? Wann wissen Sie, für welche Spiele Sie aufgeboten werden? In der Regel erhalten wir Mitte Monat das Aufgebot für den nächsten kompletten Monat. Je näher die Playoffs rücken, desto mehr Flexibilität ist von uns gefordert, da die Spiele auch kurzfristig angesetzt werden.
Wie unterscheiden sich die verschiedenen Ligen aus Ihrer Sicht voneinander? Es ist schwierig, die 4. Liga mit dem Leistungssport zu vergleichen. Natürlich gibt es zwischen Amateur- und Profiniveau einen riesigen Tempounterschied. Aufgefallen ist mir, dass der Profisport mehr als «Miteinander» betrieben wird, in dem wir als Schiedsrichter mehr eingebunden sind. Hingegen spüren wir im Profisport auch den Druck der Fans, der Medien und so weiter.
Als Schiedsrichter ist man ja oft der «Buhmann von Dienst». Wie gehen Sie damit um? Während des Spiels nehme ich das gar nicht wahr. Letzte Saison pfiff ich ein Playoff-Finalspiel vor 5500 Zuschauerinnen und Zuschauern, der Fanblock war da, eine aufgeheizte Stimmung, aber ich liess nichts an mich herankommen. Ich konzentriere mich auf meine eigene Leistung.
Welches sind Ihre nächsten Ziele? Ich möchte mich in der Sky Swiss League etablieren. Mit konstant guten Leistungen will ich mich auf den Radar bringen für die National League. Da ich noch relativ jung bin, setze ich mir keinen Druck auf, sondern will mich einfach herantasten.
Sie pfiffen zum wiederholten Mal das Altjahrsderby im Eissportzentrum Jungfrau. Wie war das für Sie? Dieser Anlass hat mir einmal mehr aufgezeigt, wie familiär die Hockeyszene ist. Es herrschte eine sehr schöne Stimmung. Auf dem Eis gab man alles, neben dem Eis hatte es Platz für Spass und Witzeleien. Zu meinem Co-Schiedsrichter in diesem Spiel, Werner von Allmen, hatte ich in meiner Jugend hinaufgeschaut. Er war ein Vorbild für mich, so wie andere regionale Schiedsrichter wie Res Abegglen oder Jürg Stingelin. Mit Werner stehe ich noch heute regelmässig in Kontakt. Es ist eindrücklich, wie viel Erfahrung er hat und wie lange er schon pfeift.
www.sihf.ch
Zur Person: Robin Feuz (29) ist in Matten aufgewachsen, wo er noch heute wohnt. Sein Vater Hans Feuz war langjähriger Jugendtrainer bei den SCUI Young Ibex, sein Bruder Mirko spielte für den SCUI und Bönigen in der 1. und 2. Liga. Robin Feuz besuchte erstmals 2010 einen Schiedsrichterkurs. Nach Erfahrungen in Jugend- und Amateurligen arbeitete er sich in den Leistungssport hinauf. Neben seiner Tätigkeit als Schiedsrichter für den Schweizer Eishockeyverband arbeitet Feuz Teilzeit im Büro bei Grossniklaus Haustechnik in Beatenberg.
22. Januar 2026